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Wien

Wien ist die Hauptstadt Österreichs, und zugleich ein Bundeslandes. Von den Babenbergern zur Residenz gewählt, wurde die Stadt unter den Habsburgern zum politischen und kulturellen Mittelpunkt einer Weltmacht ausgebaut. Allein zwischen 1880 und 1905 stieg die Einwohnerzahl von einer halben auf über zwei Millionen Einwohner. Heute sind es ungefähr 1,6 Millionen. Ein großer Teil der Sehenswürdigkeiten befindet sich im 1. Bezirk, der Altstadt, und an der Ringstrasse, die diesen Stadtbezirk umschließt.

Das Parlament mit der Säule der Pallas Athene repräsentiert die heutige Republik. Als Göttin der Weisheit und Schutzherrin der Künste und Wissenschaften mag sie über Österreich wachen. Als Kriegsgöttin  hoffentlich nicht. Direkt daneben das neugotische Rathaus mit den Amtsräumen des Bürgermeisters und des Gemeinderats. Auf dem Platz vor dem Rathaus gibt es im Sommer Freilichtaufführungen im Rahmen der Wiener Festwochen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Rings steht das altehrwürdige Burgtheater, wohl eines der renommiertesten Theater der Welt.

Neben dem Rathaus die Universität, die Alma Mater Rudolphina, nach ihrem Gründer Herzog Rudolf IV. benannt, eröffnet 1365 und damit die nach Prag zweitälteste Universität des Heiligen Römischen Reichs mit 63.000 Studenten.

In direkter Nachbarschaft ist die Votivkirche. Erzherzog Ferdinand Maximilian, der spätere Kaiser von Mexiko, ließ die Kirche zum Gedenken an ein missglücktes Attentat auf seinen Bruder Kaiser Franz Joseph 1854 errichten. Zur Silberhochzeit von Franz Joseph und Sisi wurde die Kirche schließlich 1879 eingeweiht. Sie gilt als eines der bedeutendsten neugotischen Sakralbauwerke der Welt.

Vom Burgtheater führt der Weg zur Hofburg durch den Volksgarten. Er war der erste öffentliche Garten im Besitz des Hofes. Neben dem Denkmal für Kaiserin Sisi wird hier dem Dramatiker Franz Grillparzer gedacht, der eigentlich Jurist war und seinen Arbeitsplatz in der k.k. Hofkammer, dem Finanzministerium hatte. Etwas verwundert steht man plötzlich vor einem griechischen Tempel, dem 1819 errichteten Theseustempel, in dem die Theseusskulptur von Antonio Canova, einem der wichtigen Vertreter des italienischen Klassizismus, untergebracht war. Heute steht die Skulptur im Kunsthistorischen Museum.

Bevor wir die Hofburg betreten, besuchen wir das Kunst- und das Naturhistorische Museum. Die Zwillingsbauten im Renaissancestil beherbergen die bedeutendste und größte Kunst- und Naturaliensammlung Österreichs. Zwischen den beiden Gebäuden wurde ein gewaltiges Denkmal mit der Skulptur von Maria Theresia errichtet.

Über den Heldenplatz mit den Reiterstandbildern Prinz Eugens und des Erzherzogs Karl, erreicht man die Hofburg, Zentrum kaiserlicher Macht. Das Reiterstandbild von Erzherzog Karl ist das Einzige weltweit, das nur auf zwei Punkten – den Hinterbeinen des Pferdes – ruht. Im Leopoldinischen Trakt der Hofburg am Ballhausplatz befinden sind heute die Amtsräume des Bundespräsidenten. Im gegenüber liegenden Gebäude, wo einst der Wiener Kongress tagte, liegen die Amtsräume des Bundeskanzlers.  Der bekannteste Teil der Hofburg ist der zuletzt vollendete Teil des Kaiserforums, dessen zweiter Teil nie gebaut wurde, da es dafür keine sinnvolle Verwendung gab. Vom Balkon aus verkündete Adolf Hitler 1938 den Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich.

Im inneren Burghof findet man die Statue von Kaiser Franz I. dargestellt als Imperator Augustus.

Auch die Kaiserkrone ist nicht zu übersehen.

Durch das Schweizer Tor gelangt man in den ältesten Teil der Burg, den Schweizer Hof, der im 13. Jahrhundert entweder von den Babenbergern oder von Ottokar II. Przemysl, dem Sohn von König Wenzel I. von Böhmen, der nach dem Aussterben der Babenberger auch Herzog von Österreich, der Steiermark und Kärnten war. Hier sollte man auf jeden Fall auch die Schatzkammer besuchen, die neben den Reichinsignien des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation auch die unveräußerlichen Erbstücke des Hauses Habsburg zeigt.

In der Burg sind eine Reihe weiterer Museen, wie die Kaiserappartements, das Sisi-Museum und die Silberkammer untergebracht und öffentlich zugänglich. Nicht unerwähnt bleiben soll die Spanische Hofreitschule, deren berühmte Lipizzaner, die in den Hofstallungen ihr Winterquartier haben.

Durch das Michaelertor verlassen wir die Hofburg und begeben uns in die von Touristen und Einheimischen stark bevölkerte Fußgängerzone. Rasch stoßen wir auf den Graben, eine der exklusivsten Straßen der Stadt.  Ursprünglich befand sich hier der Graben vor dem römischen Kastell, der im Mittelalter der Graben vor der Stadtmauer wurde. Neben den berühmten Palais sind vor allem die Pestsäule und die beiden Brunnen sehenswert, als Reservoire für Löschwasser bereits im 15. Jahrhundert angelegt. In einer der Seitengassen befindet sich das Café Hawelka, berühmtestes Künstlercafé Wiens. Ein Besuch lohnt sich immer, aber heute ist es wegen Urlaubs geschlossen.

Über den Graben erreicht man den Stephansplatz mit dem Wahrzeichen von Wien. 1137 tauschte der Bischof von Passau mit Markgraf Leopold IV. ein Grundstück außerhalb der Stadtmauern. um eine Kirche zu errichten. Bereits im Jahr 1230 wurde sie im spätromanischem Stil umgebaut; von diesem Bau sind noch der Westteil mit dem Haupttor und den beiden Heidentürmen erhalten. Ein gotischer Neubau wurde 1359 unter Herzog Rudolf IV. errichtet. Im Inneren beeindruckt das mächtige Langhaus mit der Kanzel von Baumeister Pilgram, der im berühmten Fenstergucker vermutlich sich selbst verewigt hat. In den Seitenschiffen sind wertvolle Flügelaltäre zu finden. Der Wiener Neustädter Altar ist wegen der eingravierten Buchstaben A.E.I.O.U. mit Friedrich III. in Verbindung zu bringen. Im Südchor hat er seine letzte Ruhe gefunden.

In lebhaftem architektonischem Kontrast zum Stephansdom steht die Glasfassade des Hauses direkt gegenüber, des nach dem ursprünglichen Besitzers so genannten Haashauses.

Durch Wiens berühmteste Einkaufstraße, die Kärntnerstraße, gelangt man zum Hotel Sacher und zur Albertina, bedeutendste grafische Sammlung der Welt.

Gegenüber erhebt sich die Staatsoper, eines der bekanntesten Opernhäuser der Welt. Das Niveau der Aufführungen hat dieses Haus berühmt gemacht, dennoch kann man fast immer günstige Stehplatzkarten kaufen. Aus dem Staatsopernorchester gehen auch die Wiener Philharmoniker hervor, deren Neujahrskonzert am 1. Januar aus dem Musikvereinshaus weltweit übertragen wird. Ein Mitglied der Wiener Philharmoniker muss mindestens drei Jahre im Staatsopernorchester gespielt haben, bevor es aufgenommen werden kann.

Der Karlsplatz ist einer der zentralen Verkehrsknoten in Wien. Von der ehemaligen Stadtbahn sind noch die beiden Jugendstilpavillons erhalten, die einst die Zugänge markierten. Einer ist heute ein Museum, der zweite ein Café. Der Platz wird überragt von der Karlskirche, die auf Grund eines Gelübdes Kaiser Karls VI. während der Pestepidemie 1713 geplant wurde. Die von Fischer von Erlach erbaute Kirche zählt zu den bedeutendsten Barockbauten nördlich der Alpen. Geprägt wird ihr Aussehen von den beiden seitlichen Reliefsäulen nach dem Vorbild der Trajanssäule in Rom.

Den Brunnen vor der Kirche schmückt eine Skulptur von Henry Moore.

Schloss Belvedere erreicht man bequem zu Fuß in Richtung Südosten. Die barocke Schlossanlage. im Auftrag des Prinz Eugen von Lukas von Hildebrandt errichtet. beherbergt heute die österreichische Galerie Belvedere. 1955 wurde hier der österreichische Staatsvertrag unterschrieben.  Die Anlage überzeugt nicht nur wegen ihrer harmonischen Proportionen, sondern erfreut den Besucher auch durch die schöne Aussicht auf Wien.

Wien galt schon immer als Domäne der Kunst und Kultur. Im Anschluss an den östlichen Teil des Rings liegt der Stadtpark. Hier wird mit einer Reihe von Denkmälern der Maler und vor allem der Komponisten und Musiker gedacht. Die Skulptur von Johann Strauß (Sohn) zählt zu den meist fotografierten Motiven in Österreich.

Im dritten Wiener Gemeindebezirk hat einer der bedeutendsten Aktionskünstler der Gegenwart ein Zeugnis seines Schaffens hinterlassen. Das Hunderwasserhaus zeichnet sich durch seine runden Formen und sein buntes Erscheinungsbild, sowie seine Verbundenheit mit der umgebenden Natur aus. Neben diesem Gebäude hat er u.a. auch ein Fernwärmewerk in Wien umgestaltet. Aber  Hundertwasser war auch umstritten, da er nicht nur die Kunst und die Natur, sondern auch das Geld liebte.

Im Osten der Stadt, direkt an der Donau, befindet sich der Wiener Prater. Neben der ursprünglichen Auenlandschaft wird damit auch ein 1897 eröffnetes Vergnügungsviertel bezeichnet, dessen Attraktion das Riesenrad ist. Eine Fahrt in einer der fünfzehn Gondeln eröffnet fantastische Aussichten.

 Westlich der Innenstadt liegt Schloss Schönbrunn, Wiens meistbesuchte Attraktion. Der Name stammt vom Brunnen inmitten des barocken Gartens. Von Maria Theresia zum Sommersitz erkoren, blieb es dieser bis 1918, dem Ende der Habsburgermonarchie. Nur 1805 und 1809 nutzte es Napoleon als Hauptquartier. Neben den im Rokoko Stil gehaltenen Innenräumen, ist die Wagenburg besonders sehenswert.

Die Gloriette ist ein Arkadengang auf einem Hügel vor dem Schloss; von hier aus ergibt sich ein schöner Rundblick auf die Stadt.

Die schönste Aussicht auf Wien bieten der Kahlenberg und der Leopoldsberg. Der knapp 500 m hohe Kahlenberg zwischen Wien und Klosterneuburg hat für Wien eine besondere Bedeutung. Im Jahre 1683 sammelte sich hier ein 65.000 Mann starkes Entsatzheer aus einer Allianz von Österreichern, Sachsen, Bayern, Venezianern und dem Kirchenstaat, vereint mit einem polnischen Reiterheer unter Führung des Königs Johann III. Sobieski. Von hier aus fielen sie den Osmanen in den Rücken und befreiten Wien von den Belagerern, die kurz vor dem Sieg standen. Zur Erinnerung an das für die Wiener einschneidendes Ereignis wurde eine kleine Kirche errichtet. Vom Kahlenberg aus sieht man die Stadt fast wie aus der Vogelperspektive, von Schönbrunn über die Innenstadt bis zu den Donauinseln und der modernen UNO-City.


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