
Tirol ist seit etwa 10.000 Jahren besiedelt. Vor etwa 6.000 Jahren begann man Ackerbau zu betreiben. Berühmtester Vertreter jener Zeit ist Ötzi, die im Gletscher gefundene Mumie. Im Mittelalter vermachte Margarethe Maultasch nach heftigem Zwist zwischen Wittelsbachern und Luxemburgern Tirol an die Habsburger.
Tirol hatte auf Grund der Alpenübergänge seit jeher große strategische Bedeutung. Friedrich IV., Herzog von Österreich und Graf von Tirol, verlegte die Residenz von Meran nach Innsbruck. Unter Maximilian I. wurde Innsbruck Kaiserresidenz; allzu oft weilte er allerdings nicht hier.
In den schwer zugänglichen Gebirgsregionen hatten die Landstände, zu denen auch die Großbauern gehörten, einen mächtigen Einfluss. Als nach der Niederlage gegen Napoleon in Jahr 1804 Tirol wieder an Bayern fiel, entlud sich der Widerstand in einem Volksaufstand, dessen berühmtester Anführer Andreas Hofer war. Seit 1814 gehört Tirol zu Österreich. Im Friedensvertrag von St-Germain von 1919 wurde Südtirol abgetrennt und Italien zugesprochen. In der Folge besitzen Ost- und Nordtirol heute keine geografische Verbindung.
Im breiten Mündungstal der Isel in die Drau liegt Lienz, die wichtigste Stadt Osttirols. Bereits um 2.200 v.Chr. wurde die Region besiedelt, später ließen sich hier die Kelten nieder. Einen ersten großen Aufschwung erlebte die Region, als die Römer die Nordgrenze entlang der Donau durch den Limes gesichert hatten. Die Römer erklärten Aguntum zusammen mit Teurnia und Iuvavum, dem heutigen Salzburg, zum Municipium. Alle Städte lagen an den von den Römern ausgebauten Fernverkehrsstrassen. Eine Kopie der Tabula Peutingeriana, einer römischen Straßenkarte, welche die damals bekannte Welt darstellt, ist im modernen Museum von Aguntum zu besichtigen. Der Wohlstand der Bewohner ist auch anhand des prächtigen Marmorbeckens, das einzigartig in Österreich ist, und anhand der freigelegten Therme abschätzbar. Ab dem 3. Jahrhundert wurde es für die Bewohner durch die Einfälle der Alemannen wieder gefährlicher. In jener Zeit wurden die Stadtmauern mit mächtigen Türmen versehen. Die Unsicherheit führte zu einer Veränderung vor allem der religiösen Gebräuche. Das Christentum hielt Einzug und auch Aguntum wurde Bischofssitz.
Um 400 wurde Aguntum vermutlich von den Westgoten zerstört und auf Grund der Gefahren sah sich der Bischof gezwungen seinen Sitz zeitweise nach Kirchbichl zu verlegen. Der Lavanter Kirchbichl ist zusammen mit Teurnia eines der eindrucksvollsten Denkmäler der frühchristlichen Vergangenheit im Ostalpenraum. Dieses Kapitel der Geschichte wurde nach unruhigen Jahrhunderten um 610 geschlossen, als die Bajuwaren von den Slawen bei Lienz vernichtend geschlagen wurden.
Das heutige Lienz hat einen weit ausladenden Hauptplatz, auf dem man gemütlich vor Restaurants oder Eisdielen sitzen und das Treiben beobachten kann. Die einstige Liebburg aus dem 17. Jahrhundert wurde zum Rathaus umgebaut. Den Abschluss des Platzes bildet das Antoniuskirchl, heute eine orthodoxe Kirche für die nach dem Krieg in Lienz verbliebenen Kosaken ist. Die Kosaken haben ein unwürdiges Schicksal erfahren, als sie nach dem Krieg, in dem sie auf deutscher Seite kämpften, trotz gegenteiliger Zusage, von den Briten an die Sowjets ausgeliefert wurden. Daraufhin fanden ungefähr 3.000 Menschen den Tod, viele zogen den Selbstmord vor. Säuglinge wurden von ihren Müttern in die reißende Drau geworfen, bevor die Mütter folgten. Fast alle Überlebenden wurden nach Sibirien deportiert. Ein kleiner Kosakenfriedhof erinnert an diese fürchterlichen Tage.
In der Kärntner Straße halten wir kurz vor Tirols ältestem bemalten Bildstock aus dem 14. Jahrhundert.
Wir fahren Richtung Norden durch den Felbertauerntunnel und über den Paß Turn nach Kitzbühel. Heute ist Kitzbühel vor allem durch das Hahnenkammrennen bekannt, das härteste Abfahrtsrennen der Welt. Bereits 1895 fand hier das erste von Franz Reisch organisierte Schirennen statt.
Ab 1935 bevorzugte der englische Kronprinz Kitzbühel als Wintersportort, der es damit für den Jet-Set attraktiv machte. Aktuell sollen hier Immobilien bevorzugt auf der Einkaufsliste von russischen Oligarchen stehen, was beim Bummel durch den Ort aber nicht erkennbar ist.
Der Baustil ist stark vom Bayerischen geprägt, da Kitzbühl nach dem Abzug der Römer aus Noricum bis 1594, als es der bayrische Herzog an den Tiroler Landesherrn verkaufte, zu Bayern gehörte.
Im Inntal ist Schwaz unsere erste Station. Bereits um 4.000 v.Chr. besiedelt, erlebte der Ort seine Glanzzeit im 15. und 16. Jahrhundert nach bedeutenden Silber- und Kupferfunden. Damals war Schwaz die bedeutendste Bergbaumetropole Europas und mit ca. 20.000 Einwohnern nach Wien der zweitgrößte Ort im Habsburgerreich. 2.571 Tonnen Silber wurden hier gefördert. Schwaz wurde zur Geldquelle der Habsburger; verwaltet wurde der Bergbau von den Augsburger Handelsriesen Fugger und Baumgartner.
Die Stadtpfarrkirche hat vier Schiffe und ist die größte Hallenkirche Tirols. Das linke Hauptschiff war für die Bürger, das rechte für die Knappen.
Die Stadt wird von Schloss Freudensberg überragt.
Wattens in Tirol ist eine Industriestadt. Bereits 1559 wurde die erste Papierfabrik, damals noch als Papiermühle bezeichnet, gegründet. Weltweit bekannt wurde Wattens durch den Kristallglaserzeuger Swarovski. Swarovski produziert nicht nur Schmuckkristalle, das Unternehmen ist auch ein bedeutender Produzent von optischen Geräten und Schleifmittel.
Zum hundertjährigen Jubiläum der Firma wurde André Heller mit der Gestaltung der Kristallwelten beauftragt. Außer dem größten künstlichen Kristall der Welt beeindrucken einzigartige Kunstwerke Salvador Dalis, Picassos, Andy Warhols und vielen anderen, eingebettet in eine Licht und Tonumgebung. Damit avancierten die Kristallwelten zur zweit häufigsten besuchten Touristenattraktion Österreichs, nach Schloss Schönbrunn.
Überraschend ist der Anblick der barocken Karlskirche aus dem 17. Jahrhundert, die schon fast orthodoxe Stilelemente in sich trägt.
Hall besitzt die größte mittelalterliche Altstadt Tirols. Auch hier bestimmte der Salzabbau das Bild der Stadt. Wegen der Nähe der Silberminen in Schwaz, wurde 1477 die landesfürstliche Münzstelle von Meran nach Hall verlegt. 1486 wurde hier der erste Urtaler geprägt, im 16. Jahrhundert die ersten Walzenprägemaschinen entwickelt, welche später weltweit zum Einsatz kamen.
Erste Besiedlungen fanden im Raum Innsbruck bereits in der Jungsteinzeit statt. Die Römer bauten ein Kastell zur Befestigung der römischen Reichsstrasse von Verona nach Augsburg. 1420 machte Herzog Friedrich IV., mit dem Beinamen „mit den leeren Taschen“ Innsbruck zur Residenz und ließ den Hofgarten anlegen. Sein Sohn Sigismund der Münzreiche stand nach dem Tod seines Vaters lange unter der Vormundschaft seines Onkels Kaiser Friedrich III., der die Einnahmen des reichen Tirols gut gebrauchen konnte. Erst als die Tiroler Stände mit dem Aufstand drohten, konnte Sigismund 1446 die Regentschaft übernehmen. Auf Grund seines ausschweifenden Lebensstils drängten aber die gleichen Stände Sigismund 1490 zum Rücktritt und König Maximilian I., der 1493 Kaiser wurde, übernahm die Regierung. Ihm verdankt Innsbruck das „goldene Dachl“, einen Prunkerker mit 2.657 vergoldeten Kupferschindeln, den er anlässlich der Jahrhundertwende bauen ließ, um ein augenfälliges Symbol für das goldene Zeitalter zu schaffen, das anbrechen sollte. Maximilian hatte damit nicht ganz unrecht, denn durch sein 1494 geschlossenes Bündnis mit dem spanischen Königshaus setzte er einen weiteren Meilenstein für die spätere Großmachtstellung des Hauses Habsburg.
Schon zu Lebzeiten plante er seine eigenen Denkmäler. Eines der bedeutendsten europäischen Kulturdenkmäler ist sein Grabmal in der Hofkirche. Aber begraben ist er in Wr. Neustadt, wie er es bei seinem Tod in Wels bestimmt hatte. Um den Kenotaph in Innsbruck sind 28 überlebensgroße Figuren gruppiert, die symbolhaft für seine Familie, das Christentum und den Anspruch auf andere europäische Fürstenhäuser stehen.
Geplant wurde das Grabmal in Konkurrenz zu Papst Julius II., der ein ähnliches Bauwerk bei Michelangelo in Auftrag gegeben hatte, diesem später aber die Fresken der Sixtinischen Kapelle gestalten ließ. Während in Innsbruck der Enkel von Maximilian, Kaiser Ferdinand I. und dessen Sohn Erzherzog Ferdinand II. von Tirol das Bauwerk vollendeten, hatten in Rom 20 Päpste geherrscht, jeder mit eigenen Vorstellungen, so dass letztlich nur die Gestalt des Moses fertig gestellt wurde.
In der Hofkirche hat auch Andreas Hofer seine letzte Ruhestätte gefunden.
Ferdinand II. ist mit seiner bürgerlichen Frau Philippine Welser in der angebauten Silbernen Kapelle bestattet.
Schloss Ambrass im Südosten Innsbrucks wurde von Ferdinand II. für seine Kunst- und Wunderkammer, sowie seine Portrait- und Harnischsammlung erworben und umgebaut. Bereits ein Jahr später übergab er es seiner Gemahlin Philippine Welser, die es zu einem Mittelpunkt höfischen Lebens machte.
Innsbruck war zweimal Austragungsort der Olympischen Winterspiele, 1964 und 1976. Für die Fußball-Europameisterschaft 2008, die Österreich und die Schweiz gemeinsam austragen, wird neben dem Eislaufstadion das Tivoli Stadion gebaut.
Am Berg Isel, Innsbrucks Hausberg, erinnert eine Statue an Andreas Hofer, den seine Kaisertreue letztlich das Leben kostete.
Die alte Sprungschanze wurde 2001 von der irakischen Architektin Zaha Hadid durch eine neue ersetzt. Wie man sieht, wird sie auch im Sommer für intensives Training genutzt. Von der Aussichtsplattform des Sprungturms hat man den schönsten Blick auf Innsbruck und die Nordkette.
Stams ist bekannt nicht nur wegen seines Schigymnasiums, das fast alle österreichischen Schispringer hervorgebracht hat, sondern auch für sein Zisterzienserstifts.
Der Hochaltar von Anfang des 17. Jahrhunderts trägt die symbolisierte Darstellung eines riesigen Lebensbaums.
Unter einer Kreuzigungsgruppe liegt, das in den Kirchenboden eingelassene „Österreichische Grab“, das von Andreas Thamasch gestaltet wurde. In dieser Fürstengruft sind neben anderen Adligen Friedrich IV. mit der leeren Tasche und Sigismund der Münzreiche bestattet.
In Imst gründete Hermann Gmeiner 1951 das erste SOS Kinderdorf. Heute gibt es 470 SOS Kinderdörfer in 132 Ländern, Heimat für 57.000 Kinder.
Wer den Weg von Landeck aus über den Silvrettapass nach Vorarlberg wählt, passiert Galtür. Dieser Ort war 1999 Schauplatz einer schrecklichen Lawinenkatastrophe. Seit dem sind enorme Summen in den Lawinenschutz investiert worden; bis zu 12 m hohe Dämme schützen die gefährdeten Gebäude.
Wir wählen die alte Passstrasse über den Arlberg und passieren St. Anton, Austragungsort der Schiweltmeisterschaft 2001 und Heimat von Karl Schranz, einem berühmten Schifahrer. Der Ort lebt vom Tourismus. In Discos und Kneipen wird öfter Englisch als Deutsch gesprochen.
Noch vor wenigen Jahrzehnten war die Arlberg Passstrasse wegen der schwierigen Wetterbedingungen und Straßenverhältnisse gefürchtet. Schon im 14. Jahrhundert errichtet Heinrich Findelkind hier ein Hospiz für Reisende. Er gründete auch die Bruderschaft St. Christoph um Geld für Notleidende zu sammeln. Im 20. Jahrhundert wurde sie von Arnold Ganahl wiederbelebt, um Waisenkindern der beim Bau des Arlberg Straßentunnels verunglückten Arbeiter zu helfen. Heute hat sie 12.000 Mitglieder und ist eine der größten karitativen Vereinigungen der Welt.
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