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Tibet

Unterwegs von Kunming nach Lhasa, nach einer Zwischenlandung in Chengdu,  steigt das Flugzeug steil nach oben und man hat das Gefühl, es hätte Mühe den Himalaya zu erklimmen. Das Meer von 5.000,  6.000 m und noch höheren Bergen ist ein erhebender Anblick.

In Tibet überraschen die hohen Sanddünen, die sich die Berghänge im Tal des Brahmaputra hinaufziehen. Auf dem ca. 100 km langen Weg vom Flughafen nach Lhasa geht es an Klöstern, in den Fels gehauenen Buddhas oder Bauern mit ihren Yaks vorbei. Die Brücke über den Brahmaputra ist militärisch schwer gesichert.

Im Zentrum von Lhasa steht Tibets grösstes Heiligtum, der Jokhang-Tempel. Pilger umrunden ihn im Uhrzeigersinn auf dem 800 m langen Barkhor, dem innersten der drei Pilgerwege . Vor dem Tempel werfen sich viele immer wieder der Länge nach auf den Boden, so wie einige sogar den Weg von ihrem Heimatdorf zum Tempel auf diese Weise zurücklegen und den Weg in der Anzahl ihrer Körperlängen messen.

Das Drehen von Gebetstrommeln oder Gebetsmühlen bedeutet bei jeder Umdrehung wurde das Gebet einmal gesprochen. Neben Buddhas und Ahats befindet sich im Inneren der Jo-Bo-Buddha. Einst war es ein schlanker Jüngling, als ihn die chinesische Prinzessin Wen Cheng nach dem Friedensvertrag von 822 in einer zweijährigen Reise hierherbrachte. Für jede Spende von 2. 000 Euro erhält er eine neue Goldauflage. So hat er in der Zwischenzeit ein rundliches Gesicht erhalten. Er ist die heiligste Buddha Statue Tibets.

Der Anblick von Frauen als Bauarbeiter überrascht immer wieder.

Vom Dach des Tempels hat man einen schönen Ausblick auf den Potala-Palast.

Dann liegt der frühere Winterpalast des Dalai Lama majestätisch vor uns.

Die weissen Teile des Bauwerks dienen weltlichen Zwecken, die roten geistlichen. Auch der Ausblick vom Dach ist atemberaubend. Atemprobleme kann man aber auch beim steilen Anstieg bekommen. Immerhin liegt Lhasa auf einer Meereshöhe von 3.600 m. Nachdem uns schon mehrfach Mönche aggressiv mit den Worten „Money, Money,..“ angebettelt hatten und wir nun sehen wie grosszügig die einfachen Pilger im Tempel ihr Geld spenden, fällt uns die Stupa des 5. Dalai Lama, bestehend aus 3.500 kg puren Goldes im Inneren des Potala besonders unangenehm auf. Besonders deshalb, da die Klöster in Tibet keinerlei soziale Verantwortung, etwa in Form einer Armenspeisung, übernehmen.

Eng an den Berg geschmiegt liegt das Drepung-Kloster. Es zählt zusammen mit dem Sera- und Ganden-Kloster zu den drei Elite-Klöstern Tibets. Einst wohnten im Drepung-Kloster über 10.000 Mönche, heute sind es um die 450. Einige von ihnen galten als Reinkarnation Buddhas. Neben einer Reihe von kleinen Meditations- und Aufenthaltsräumen gibt es grosse Zeremonienhallen, die als Versammlungsorte für gemeinsame Gebete und Mediationen dienen. Die Mönche scheinen ein recht anspruchsloses Leben zu führen, auch wenn bereits einige über die neueste Generation von Handys verfügen.

Die Küche erscheint uns nicht sehr einladend.

Als Haupttugenden im Buddhismus gelten Demut und Bescheidenheit. Beim Betteln auf der Strasse war davon wenig zu spüren.  Wir vermuten, dass etwa ein Drittel des erbettelten Geldes für den Lebensunterhalt benötigt wird, ein Drittel dem Dalai Lama zufliesst und ein weiteres Drittel in den Untergrundkampf und dessen Bewaffnung investiert wird. Deshalb sind auch 250.000 chinesische Soldaten in Tibet stationiert, die natürlich auch eine Menge Kaufkraft dorthin bringen.

Seit wir Tibet mit eigenen Augen gesehen haben, ist uns die im Westen verbreitete Meinung vom unterdrückten tibetanischen Volk sehr suspekt geworden. Neben Hygiene haben die Chinesen eine Menge Geld investiert, um die Infrastruktur und das Bildungswesen in Tibet auszubauen. Der Dalai Lama hingegen hätte lediglich auf seinen weltlichen Führungsanspruch verzichten müssen. Sonst ist ausser seinem erstklassigen Marketing wenig zu spüren. Als einer der reichsten Menschen auf dieser Erde scheint auch er keine soziale Verantwortung seinem Volk gegenüber zu verspüren.

Der Sommerpalast des Dalai Lama unterstreicht diese Eindruck. Jeder Dalai Lama errichtete sich auf dem Gelände seinen eigenen Palast, sowie der Potala von jedem einzelnen dieser Herrscher immer wieder erweitert worden ist. Jeder baute sich seine eigenen Meditationsräume.

Das Sera-Kloster beherbergte einst um die 7.000 Mönche, heute nur etwa zweihundertfünfzig. Dennoch ist es ähnlich bedeutend wie das Deprung-Kloster. Hier kann die klostereigene Druckerei besichtigt werden. Einige der Regale mit Schriften sind ebenerdig begehbar. Unter den Schriften durchzulaufen bedeutet diese auch gelesen zu haben.

Eine Besonderheit ist die Debatte der Mönche im Hof. Diskussionen werden dadurch ausgetragen, dass einer fragt. Dazu klatscht er laut die Hände. Der vor im Sitzende antwortet. Am nächsten Tag werden die Rollen getauscht. Diese Debatten scheinen manchmal recht hitzig zu verlaufen.

 


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