
Niederösterreich ist Kernland der heutigen Republik Österreich und das flächengrößte und bevölkerungsreichste Bundesland. Von der Donau wird es in zwei Teile getrennt, was in der Geschichte immer wieder Spuren hinterließ. Die Wachau und die umliegenden Gebiete sind die ältesten Kulturlandschaften Österreichs. Als Wachau wird der Donaudurchbruch zwischen Melk und Krems bezeichnet. Begünstigt durch die klimatischen Verhältnisse, befinden sich hier einige der bedeutendsten archäologischen Fundstätten europäischer Kultur.
Unsere Rundreise startet in Krems und führt flussaufwärts bis Ybbs an der Donau, weiter am anderen Ufer flussabwärts nach Melk und Stift Göttweig. Über St. Pölten, der Landeshauptstadt, geht es in das Waldviertel nach Zwettl, über Stift Altenburg in das Weinviertel nach Retz und Laa an der Thaya. Über Klosterneuburg führt die Route vorbei an Wien in die alte Römerstadt Carnuntum. Nach einem Besuch von Stift Heiligenkreuz, Mayerling, Gumpoldskirchen mit seinen vielen Heurigen, Laxenburg, Baden bei Wien und Bad Vöslau besichtigen wir die Schule in Berndorf. In Wr. Neustadt sehen wir die alte Kaiserresidenz von Friedrich III. und fahren anschließend zum Semmering, der seit dem 19. Jahrhundert ein beliebtes Ferienziel, vor allem der „feinen Gesellschaft“ Wiens ist.
Krems an der Donau besticht durch seine gut erhaltene, direkt an der Donau gelegene Altstadt. Der Pulverturm erinnert an die Schwedenkriege, in denen Krems hart umkämpft wurde. Geprägt wird das Leben von den um die Stadt liegenden Weinbergen, die auch die Kulturlandschaft der Stadt beeinflussen. Der Simandlbrunnen zeigt der Sage nach, wie ein Kremser Bürger seine Ehefrau auf Knien um die Übergabe des Schlüssels bittet. Einst wollten die Bürger kampflos die Stadt den böhmischen Truppen übergeben, worauf die Frauen das Kommando übernahmen.
Das Ende der Fußgängerzone bildet das gut restaurierte Steinertor, das Wahrzeichen von Krems.
Von Krems aus kommt man entlang der Bundesstraße Richtung Westen nach Dürnstein, Die malerisch hoch über der Stadt gelegene Ruine ist Zeugnis für die Gefangenschaft Richards I., genannt Löwenherz, König von England. Er hatte sich während des dritten Kreuzzugs, in der Schlacht um Akkon mit Leopold V., Herzog von Österreich, zerstritten und wurde bei seiner Rückkehr aus dem heiligen Land vor Wien gefangen genommen. Bekannt ist Dürnstein auch für seine barocke Pfarrkirche, deren Turm vor einigen Jahren in den Originalfarben blau-weiß restauriert wurde.
Hoch über dem Donautal thront die Basilika Maria Taferl, die nach Mariazell bedeutendste Wallfahrtskirche Österreichs.
Nur wenige Kilometer weiter liegt Melk mit seinem berühmten Stift. An dessen Stelle stand ursprünglich die Burg, die Markgraf Leopold I., aus dem Geschlecht der Babenberger, zu seinem Herrschaftssitz machte, nachdem er 976 mit diesem Gebiet Niederösterreichs von Kaiser Otto II. belehnt worden war. Damit beginnt der Teil der Geschichte Österreichs, der mit der k.k. Monarchie endet.
Das Stift in seiner heutigen Form wurde vom Barockbaumeister Jakob Brandtauer errichtet und ist für seine wertvolle Ausstattung berühmt.
Den besten Ausblick auf das Donautal hat man von der Ruine Aggstein. Die hoch über der Donau auf einem Fels errichtete Burg galt als im Sturm uneinnehmbar, dennoch wurde sie mehrfach erobert und zerstört. Vermutlich wurde sie belagert und ausgehungert.
St. Pölten ist seit 1997 die Landeshauptstadt Niederösterreichs. Sie ging aus der Römerstadt Aelium Cetium hervor. Reste davon sind im Rathaus zu sehen. Jakob Prandtauer lebte lange Zeit in St. Pölten und gab der Stadt ihr barockes Gepräge. An Bedeutung gewann die Stadt mit der Gründung des Benediktinerklosters St. Hippolyt, durch Beauftragte des Klosters Tegernsee. Der hl. Hippolytos gab St. Pölten seinen Namen. Der Domplatz war einst das Zentrum der römischen Siedlung.
Das Institut der englischen Fräulein wurde ebenfalls von Jakob Prandtauer gestaltet. Bedeutende Persönlichkeiten haben diese Schule besucht, z.B. die Dichterin und Schriftstellerin Enrica Handel-Mazzetti.
In architektonischem Gegensatz zur Altstadt steht das neu erbaute Landhausviertel. Das Landtagsschiff beherbergt den Sitzungssaal des Landtags. Es wird überragt vom Klangturm mit begehbaren Klangräumen. Daneben dient er als Ausichtsplattform, Wetterkamera und Sendemast. Er ist das Wahrzeichen St. Pöltens. Im Landhausviertel sind, neben den Räumen der Landesregierung, die Landesbibliothek, das Landesmuseum, ein Festspielhaus und das Regionalstudio des österreichischen Rundfunks ORF untergebracht.
In Langenlois finden wir eine weitere Attraktion der Neuzeit, das Loisium. Mitten in den Weinbergen erhebt sich die futuristisch anmutende Konstruktion des Besucherzentrums, Ausgangspunkt für einen Rundgang durch die Vergangenheit und Gegenwart der Weinproduktion. Hier sollen alle menschlichen Sinne angesprochen und sensibilisiert werden. Das Loisium ist eines von mehreren neuen Weinzentren, das versucht Wein als ein die Sinne anregendes Getränk kreativ zu vermarkten. Vor allem im Burgenland sind weitere solcher neuen Weintempel zu finden.
Geheimnisumwittert sind bis heute die Kreisgrabenanlagen. Von bisher 140 Anlagen dieser Art in Europa befinden sich etwa 50 in Niederösterreich. Sie wurden vor 6.000 - 7.000 Jahren errichtet. In Glaubendorf, 35 km nördlich von Krems, wurde im Jahr 2005 die erste dieser Anlagen rekonstruiert.
Unmittelbar daneben gibt es noch eine weitere Sehenswürdigkeit – den Heldenberg. Joseph Gottfried Pargfrieder, ein Fabrikant, der durch die Belieferung der Armee zu Reichtum gekommen war, errichtete die Gedenkstätte mit 169 Standbildern und Büsten, um einerseits die Armee der k.k. Monarchie und ihre Kaiser, Generäle und Heerführer zu heroisieren und andererseits zu hoffen, dass ein Teil des Ruhm auf ihn selbst zurückstrahle. Trotz seiner Eitelkeit war er aber auch ein Gönner und verteilte großzügig Wohltaten, vor allem an Not leidende Mitbürger.
In Großmugel befindet sich ein 18m hohes, 3.500 Jahre altes Fürstengrab. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits gesellschaftliche Hierarchien herausgebildet.
Auf dem Weg ins Waldviertel treffen wir auf die typischen Granitblöcke der böhmischen Masse, die wertvolle Amethysten enthalten und wie die Wälder das Landschaftsbild prägen.
Fast wie im Märchen liegt mitten im Wald die von den Kuenringern errichtete Burg Rappottenstein. Trotz mehrmaliger Belagerung durch aufständische Bauern, belgische Truppen und die Schweden ist sie nie eingenommen worden. Im Inneren überrascht sie mit nicht erwartetem Luxus vergangener Jahrhunderte.
Ebenso idyllisch liegt der Stausee inmitten der Wälder, besonders in heißen Sommern, ein Ort, wo es sich angenehm leben lässt. Über dem See erheben sich die Ruine Lichtenfels und die Burg Ottenstein.
Sowohl die Stadt Zwettl als auch das gleichnamige Stift wurden ebenfalls von den Kuenringer gegründet. Die stammen aus Sachsen oder aus Trier und hatten maßgeblichen Anteil an der Entwicklung des Waldviertels, die in Zwettl ihren Ausgangspunkt hatte. Die Stadt hatte oft unter Krieg zu leiden. Sowohl die Hussitten, der dreißigjährige Krieg , böhmische und schwedische Truppen brachten Zerstörungen über das Land. Die Stiftskirche wird durch eine gotisch-barocke Zisterzienser-Stiftsanlage ergänzt, in der hunderte Singvögel nisten. Die gotischen Elemente werden durch romanische Ursprungsbauten und barocke Erweiterungen ergänzt. Bekannt sind der gotische Kreuzgang und die angrenzenden Ziergärten mit ihren exotischen Pflanzen.
Das eindrucksvolle Renaissanceschloss Greillenstein ist trotz seiner renovierungsbedürftigen Fassade ein Juwel besonderer Art. Es wurde einst als Verwaltungs- und Repräsentationsgebäude errichtet und im Inneren bestens ausgestattet. Heute leben hier die Urenkelinnen der Kaiserin Sisi. Sie sollen ein völlig normales Leben führen und bürgerlichen Berufen nachgehen. Das Schloss kann besichtigt werden und bietet Besuchern geschmackvoll gestaltete Innenräume, in denen mittelalterliche Gerichtsverhandlungen nachgespielt werden. Bekannt ist es vor allem für seine Sandsteinfiguren.
Inmitten der sanften Hügel des Waldviertels liegt das barocke Stift Altenburg. Nach der Zerstörung durch die Schweden wurde es von den Benediktinern wieder aufgebaut und im 18. Jahrhundert vom Baumeister Munggenast unter weitgehender Beibehaltung der gotischen Elemente umgestaltet. Die bedeutendsten Fresken stammen von Paul Troger. Die Bibliothek mit ihren 10.000 Bänden ist eine der schönsten Österreichs. Die Hauptkuppel zeigt den Besuch der Königin von Saba bei König Salomon in Jerusalem. Unterhalb der Bibliothek befindet sich die Krypta, ein Meditationsraum über Leben und Tod mit teils grotesken Darstellungen, wohl der originellste klösterliche Raum im christlichen Kulturraum. Das Stift wurde auf den Ruinen eines mittelalterlichen Stifts erbaut, das bereits 1144 von Gräfin Hildeburg von Boigen-Rebgau gegründet wurde. Der alte Kreuzgang ist sehr gut erhalten. Berühmt ist Stift Altenburg auch für seine Sängerknaben und den Garten der Religionen, der die unterschiedlichen Wege zu Gott darzustellen versucht.
Die Stadt Eggenburg wurde als nördlichste Bastion zur Sicherung in Richtung Böhmen errichtet. Davon zeugt die fast vollständig erhaltene Stadtmauer. Eggenburg schlug sich im Zwist zwischen Rudolf von Habsburg und Przemysl Ottokar auf die Seite der Habsburger. Bekannt ist sein kunstvoll gestaltenes Sgraffitohaus auf dem Hauptplatz.
Wer das erste Mal den Marktplatz von Retz betritt, ist erstaunt über die italienischen Renaissancebauten, speziell das Verderberhaus, errichtet 1583.
Im 15. Jahrhundert fielen die Hussiten in Retz ein und zerstörten die Stadt. Berichte sprechen von 8.000 Toten und 6.000 Gefangenen. Die Stadt wurde wiederaufgebaut. Von Kaiser Friedrich III. erhielt Retz großzügige Privilegien für den Weinhandels. Kurze Zeit später wurde die Stadt von Mathias Corvinius, König von Ungarn und während fünf Jahren zugleich Markgraf von Österreich, eingenommen. Mathias Corvinius war Liebhaber der italienischen Renaissance. Er bestätigte die Weinhandelsprivilegien, auf denen der Wohlstand der Stadt beruhte. Von Mathias Corvinius stammt übrigens der folgende Spruch: “Andere mögen Kriege führen, aber du, glückliches Österreich, heirate", mit dem er Friedrich III. zu verspotten suchte.
Die Kirche in der Mitte des Hauptplatzes wurde im 16. Jahrhundert mit einer Zwischendecke versehen und beherbergt seither im Obergeschoß das Rathaus. Die Mariensäule erinnert an die Pest, die auch hier wütete.
Sehenswert sind die meist ohne verbindendes Mauerwerk direkt in den Quarzsand getriebene Weinkeller in 10-30 Metern Tiefe, die sich über zwanzig Kilometer weit unter der Stadt erstrecken.
Dieser Pflug wird in der Wachau “Weiberschinder” genannt, da es, nicht wie in Retz sonst üblich, von Ochsen, sondern wegen des steilen Geländes von Frauen gezogen wird.
Hier lagert auch noch eine Flasche des Rotweins, der bei der Unterzeichnung des Staatsvertrages 1955 ausgeschenkt wurde – die mit der rot-weiß-roten Schleife.
Weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt ist die für die Gegend eher untypische Windmühle.
Direkt am Stadtrand nördlich von Laa an der Thaya verläuft die Grenze zu Tschechien. Von Leopold VI. gegründet, war Laa lange Zeit Spielball zwischen Österreich und Böhmen. Bereits im 15. Jahrhundert erhielt die Stadt das Privileg, Bier im Umland auszuschenken. Davon zeugt Österreichs einziges Biermuseum in der ehemaligen Fluchtburg. Der spätere Papst Pius II. soll acht Jahre lang Pfarrer in Laa gewesen sein. Erst im 19. Jahrhundert gewann die Stadt als Verwaltungszentrum an Bedeutung. Das zum 50-jährigen Regierungsjubiläum errichtete Rathaus dominiert noch heute den Hauptplatz. Heute versucht Laa durch eine 2002 gegründete Therme den Fremdenverkehr zu stärken. Durch den Wegfall des „Eisernen Vorhangs“ hat Laa wieder an Bedeutung gewonnen und wurde Zentrum der Region.
Das Stift Klosterneuburg wurde von Markgraf Leopold III. gegründet, der später wegen vieler Stiftsgründungen, wie etwa Stift Heiligenkreuz, Klein-Mariazell und Seitenstetten, heilig gesprochen wurde und seit 1663 auch Landespatron von Österreich ist.
Petronell-Carnuntum in der Nähe von Hainburg im äußersten Osten Niederösterreichs war die bedeutendste römische Siedlung auf österreichischem Gebiet. Sowohl das Heerlager als auch die Zivilstadt verfügten über ein eigenes Amphitheater. Der Ort wurde von Trajan zur Hauptstadt Oberpannoniens bestimmt, von Hadrian zum Municipium. Während der Markomannenkriege schlug Marc-Aurel hier sein Hauptquartier auf. Septimus Severus wurde hier von seinen Truppen zum römischen Kaiser ausgerufen. Im Jahre 350 zerstörte ein Erdbeben einen großen Teil der Stadt. Danach war sie nur noch Frontstadt gegen die Quaden und Sarmaten. Heute wird Carnuntum zum Archäologie Park ausgebaut. Römische Häuser werden teilweise wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt und lassen das Leben der Römer wieder auferstehen. Jährlich stattfindende Römerspiele machen es auch bei Familien mit Kindern beliebt. Bekanntestes Denkmal ist das Heidentor, das damals an einer Straßenkreuzung errichtet wurde und im Inneren vermutlich eine Kaiserstatue beherbergte.
Haydn
Auf dem Weg Richtung Wien besuchen wir das Geburtshaus des genialen Musikers und Komponisten Joseph Haydn in Rohrau.
Stift Heiligenkreuz
Stift Heiligenkreuz, im Osten Wiens, liegt tief im Wienerwald und ist das zweitälteste Zisterzienserstift der Welt. Es beherbergt eine Philosophisch-Theologische Hochschule und ein überdiözesanes Priesterseminar. Hier ist Herzog Leopold V., Herzog Friedrich der Streitbare, der letzte Babenberger und Mary Vetsera, die mit dem österreichischen Kronprinzen Rudolf in Mayerling in den Tod ging, begraben. Neben dem Kreuzgang zählen das Glockenspiel und die Dreifaltigkeitssäule zu den Sehenswürdigkeiten.
Ursprünglich war Schloss Mayerling im Besitz des Stiftes Heiligenkreuz, ehe es von Thronfolger Rudolf, dem Sohn von Kaiser Joseph I. und Elisabeth, genannt Sisi, übernommen und zum Jagdschloss umgebaut wurde. Vermutlich verübte er am 30. Januar 1889 hier zusammen mit Mary Vetsera Selbstmord. Daraufhin wurde an Stelle der Wohnräume eine Kirche errichtet und das Schloss in ein Kloster umgewandelt.
Auf dem Weg Richtung Mödling besuchen wir die Seegrotte Hinterbrühl. In dem einstigen Gipsbergwerk kam es 1912 zu einem Wassereinbruch und es bildete sich auf eine Fläche von 6200 m2 der größte unterirdische See Europas. Während des 2. Weltkrieges unterhielt das NS Regime hier einen Rüstungsbetrieb mit ca. 1800 Kriegsgefangenen, von denen kaum einer überlebte. Das Boot diente als Kulisse für Filmaufnahmen bei „Die drei Musketiere“.
Gumpoldskirchen liegt am Rande des Wiener Beckens an den Abhängen des Wiener Waldes. Bereits vor 6500 Jahren fanden hier erste Besiedlungen statt. Wein wurde hier schon in vorchristlicher Zeit angebaut. Im 19. Jahrhundert fiel die Reblaus über die Weinkulturen her und zerstörte sie vollständig. Hans Moser, der bekannte österreichische Volksschauspieler setzte ihr mit dem Lied „Die Reblaus“ ein Denkmal. Gumpoldskirchen liegt malerisch zwischen den Weinbergen und es gibt kaum einen Ort, wo man sich beim Heurigen gemütlicher bei einem Glas Wein unterhalten kann.
Mit etwas Glück erlebt man hier auch einen Tenor live.
Laxenburg ist heute eines der vielen Naherholungsgebiete Wiens. Neben einem weitläufig, im englischen Stil angelegten Landschaftspark, ist die Franzensburg ein beliebtes Ausflugsziel. Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth verbrachten viele Wochen in dieser idyllischen Umgebung. Auch ihre drei Kinder wurden hier geboren. Heute sind auf dem weitläufigen Gelände verschiedene Institutionen, unter anderem das österreichische Filmarchiv, angesiedelt.
An der Thermenlinie im Westen des Wiener Beckens liegen zahlreiche Bade- und Kurorte. Bedingt durch das Absinken des Tieflandes kommt es an der Bruchkante häufig zu kleinen seismischen Ereignissen, und es treten teilweise heiße und schwefelhaltige Thermalquellen an die Oberfläche. Baden bei Wien ist der bekannteste Ort. Bereits die Römer schätzten die Heil bringende Wirkung der Schwefelquellen. Kaiser Franz I. und viele bekannte Komponisten verbrachten ihre Sommer in der Biedermeierstadt. Der Kurpark und das Stadttheater bilden die Kulisse für zahlreiche Operettenaufführungen.
Auf dem Weg nach Berndorf im Triestingtal passieren wir Bad Vöslau, das ebenfalls durch Thermalquellen und Mineralwasser zu einem gewissen Bekanntheitsgrad kam.
Berndorf ist untrennbar mit dem Namen Arthur Krupp verbunden. Der Unternehmer übernahm im Alter von 23 Jahren die Leitung der Besteckfabrik seines Vaters und dessen Partners. Mit der ihm eigenen Unternehmensphilosophie baute er sie zu einem internationalen Konzern mit 6.000 Mitarbeitern aus. Durch viele Reisen war er immer mit fremden Kulturen in Kontakt gekommen und wollte diese Weltoffenheit an seine Arbeiter weitergeben. Er vertrat die Ansicht, nur gut ausgebildete und sozial abgesicherte Arbeiter könnten den Erfolg seines Unternehmens mehren. So baute er nicht nur Siedlungen, sondern auch ein eigenes Theater, eine Kirche und Schulen für seine Arbeiter. Die Klassenzimmer sind in ihrem optischen Erscheinungsbild verschiedenen Lerninhalten zugeordnet. Die Räume im Erdgeschoß sollen Geografie und Kulturen zeigen, im oberen Stock sind Geschichtsepochen dargestellt. Schon der nicht auf die entsprechenden Fächer bezogenen Unterricht sollte den Schülern das Verständnis für andere Werte vermitteln. Die Entwicklung gab ihm Recht.
Nach der Besetzung Österreichs durch die Nationalsozialisten 1938 wurde sein Unternehmen in den deutschen Kruppkonzern eingegliedert und war während des zweiten Weltkrieges das Ziel zahlreicher Luftangriffe durch die Alliierten. Heute ist Berndorf Sitz zahlreicher High-Techunternehmen.
Als Sohn Heinrich II. Jasomirgott erbte Herzog Leopold V. das Herzogtum Österreich. Zusätzlich hatte er mit Ottokar IV. einen Erbvertrag abgeschlossen und erbte nach dem Tode Ottokars auch das Herzogtum Steiermark. Er nahm Richard Löwenherz gefangen und setzte ihn auf Burg Dürnstein fest. Mit dem Lösegeld gründete er Wr. Neustadt, um die Herzogtümer nach Osten abzusichern. Leopolds Nachfolger waren Friedrich I., Leopold VI. und Herzog Friedrich II. der Streitbare, der letzte Babenberger. Im Streit mit Kaiser Friedrich II. musste er Wien verlassen, konnte sich aber in Wiener Neustadt halten. Später versöhnte er sich wieder mit Friedrich und verhandelte mit diesem sogar über eine Erhöhung von Österreich zu einem Königreich. Seinen Tod verhinderte die Ausführung des Projekts.
Im 15. Jahrhundert wurde die Burg in Wr. Neustadt von Kaiser Friedrich III. zur Residenz ausgebaut. Seine Kürzel A.E.I.O.U. sind hier noch deutlich zu erkennen. Kaiser Maximilian I. wurde hier geboren und liegt hier auch begraben. Er hinterlässt mit dem für ihn bestimmten Grabmal in der Hofkirche in Innsbruck eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler Europas.
Maria Theresia gründete die erste Militärakademie Europas in den Räumen der ehemaligen Residenz.
Der Semmering verbindet mit seinem Pass Niederösterreich und die Steiermark. Im 19. Jahrhundert gewann der Semmering als Ferienziel der Aristokratie und des Großbürgertums sehr an Bedeutung. Heute wird hier, auf der Rax und dem Schneeberg vor allem Wintersport betrieben. Die Gebäude zeugen jedoch noch immer von der mondänen Vergangenheit. Die Semmeringbahn ist wegen ihrer gewagten Trassenführung ein bei Eisenbahnkennern beliebtes Reiseziel und zählt seit 1998 zum UNESCO Weltkulturerbe.
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