
Kunming
Im äußersten Südwesten Chinas in der Provinz Yunnan in etwa 2.000 m Höhe gelegen, bietet Kunming vom Westberg einen herrlichen Ausblick . Die Tempelanlagen Huating und Taihua sind beliebte Ausflugsziele. Der Sanqing-Pavillon und das Drachentor, direkt in die schroffen Felsen gehauen, werden trotz des steilen Aufstieg füber Treppen und schmale Wege ebenso gerne besucht. Neuerdings gibt es zwei Sessellifte, welche die Touristen auf etwas bequemere Art auf den Gipfel bringen.
Das gemässigte Klima ist Vorausetzung für Tabakanbau, der Haupteinnahmequelle der Stadt, und brachte der Stadt den Beinamen „Stadt des ewigen Frühlings“ ein. Böse Zungen sagen ihr nach, Hauptumschlagplatz für Rauschgift zu sein, was angesichts ihrer Nähe zum goldenen Dreieck, nur 500 km von Vietnam und Laos und 700 km von Myanmar entfernt, nicht so abwegig erscheint. Zweifellos ist Kunming aber ein bedeutender Verkehrsknoten und Industrie und Handelsplatz. In der näheren Umgebung werden verschiedene Erze abgebaut. Auf dem Weg zum Steinwald passieren wir eine Schmalspureisenbahn, vor 100 Jahren von den Franzosen gebaut.
Unterwegs kann man eine schmackhafte Yiling-Ente genießen.
Beim Besuch eines typischen Dorfes auf dem Land wurden uns stolz die Kinder präsentiert. Interessant war, dass jede Eingangstür über eine Tafel mit 10 Sternen verfügte. Jeder der Sterne symbolisierte eine andere Eigenschaft der Bewohner des Hauses. Je nach dem, welcher Stern markiert war, konnte man sehen ob die Bewohner fleissig, faul, modern oder traditionell usw. sind. Der Arm der Partei erreicht in China auch das kleinste Dorf, anders ist aber ein Land mit 1,3 Milliarden Einwohnern kaum zu regieren.
Im autonomen Bezirk Lunan der Yi-Nationalität erstreckt sich auf 24.000 ha die bizarre Formation des Steinwaldes, wovon 80 ha davon touristisch erschlossen sind. Vor 270 Millionen Jahren lagerten sich im Meer Sedimente ab, die später tektonisch gehoben und deren weichen Schichten von Wind und Wasser abgetragen wurden.
Zurück im Hotel konnten wir eine Hochzeitsfeier beobachten. Eine solche Hochzeit kostet um die 4.000 Euro.
Wer, wie wir, die Vorstellung in sich trägt, Kunming sei ein Städtchen in der Provinz, weit weg von Peking, sollte diese rasch korrigieren. 3,5 Millionen Einwohner, davon etwa 1 Million in den urbanen Gebieten; moderne Architektur und Hochhäuser so weit das Auge reicht, machen Kunming zu einer modernen Grossstadt im europäischen Sinn.
In der Provinz Yunnan leben einundzwanzig nationale Minderheiten. Um die Sitten, Bräuche und Lebensgewohnheiten dieser Minderheiten einer breiteren Bevölkerungsschicht zugänglich zu machen, hat man ein “Nationalitätendorf” gebaut, das von Angehörigen der diversen Minderheiten präsentiert wird. Unterschiedlichste Sitten und Gebräuche werden erläutert. So war es bei den Wa Brauch, zur Erbittung einer guten Ernte, den Kopf eines Mannes mit langem Bart am Dorfeingang abzulegen. Heute erfüllt ein Büffelkopf diese Aufgabe. Die Bai bauen ihre Häuser mit dem Eingang nach Osten, während es in China Brauch war die Häuser nach Süden auszurichten. Dorfplätze wurden oft als symbolischer Kalender gebaut. Dorfbewohner bieten des öfteren Volkstänze und Gesänge dar. Für die Yi-Nationalität ist der Tiger heilig, was an Hutbedeckungen oder am Hauptplatz der Yi erkenntlich ist.
In der Ming-Dynastie wurden missliebige Personen nach Yunnan verbannt, deshalb nennt man es im Volksmund auch Barbarengebiet.
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