
Riesige Wälder, weites Land, einzigartige Tierwelt – das lässt uns unweigerlich an Kanada denken. Doch wie ist Kanada wirklich?
Kanada ist nach Russland das zweitgrößte Land der Erde, mit ca. 32 Millionen Einwohnern und einem mit dem deutschen vergleichbaren Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner. Vor allem wegen der ungeheuren Bodenschätze und Rohstoffe gilt es als reiches Land.
Kanada ist ein klassisches Einwanderungsland, dessen Urbevölkerung vor über 20.000 Jahren über die Beringstrasse einwanderte. Es waren Vorfahren der Inuit und der Indianer oder First Nations, wie diese in Kanada politisch korrekt bezeichnet werden, die den amerikanischen Kontinent kultivierten. Vermutlich gab es auch Einwanderungen kleiner Gruppen aus China und Polynesien. Zu Beginn des 11. Jahrhunderts gründeten die Wikinger erste Siedlungen im Norden Neufundlands, doch hielten sich diese nicht lange. 1497 landete Giovanni Caboto an der Küste von Labrador. 1534 nahm der Franzose Jacques Cartier das Gebiet um den St. Lorenz-Strom für Frankreich in Besitz. Im 17. und 18. Jahrhundert folgten den Franzosen die Engländer. Nach dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wanderten viele Amerikaner ein, die auf der Seite der Briten gekämpft hatten. Es folgten im 19. Jahrhundert Italiener, Deutsche, Ukrainer und Polen. Heute kommen hauptsächlich Asiaten, vor allem aus der Volksrepublik China.
Politisch führt das zu einem „Mosaik der Kulturen“, einem von der Regierung unterstützten Nebeneinander der Kulturen, als Gegensatz zu einer „Schmelztiegel-Kultur“. Kanada ist eine Förderation, bestehend aus 10 Provinzen und drei Territorien, die direkt von der Regierung verwaltet werden.
Der Film begleitet uns ausgehend von Toronto durch die Provinzen des Ostens, Ontario und Québec. Mit dem Flugzeug erreichen wir Newfoundland. Nach einem weiteren kurzen Flug führt die Route ausgehend von Nova Scotia nach New Brunswick und in die kleinste Provinz Kanadas Prince Edward Island. Am Ende der Reise kehren wir zurück nach Nova Scotia.
Toronto, größte Stadt Kanadas, mit 5,2 Millionen Menschen im Großraum. Direkt am Ontariosee gelegen, mit den nahen Metropolen der USA verkehrsmäßig gut verbunden, ist sie die wirtschaftliche Pulsader des Landes und die Hauptstadt der Provinz Ontario.
Vor der glitzernden Fassade des Finance and Business Districts erhebt sich gleich neben dem Skydome der gewaltige 553m hohe CN Tower- das höchste freistehende Gebäude der Welt. Der CN Tower ist der ideale Ausgangspunkt, um sich einen ersten Überblick über Toronto zu verschaffen.
Automatisch richtet sich der Blick zuerst auf die Skyline der Downtown mit den mächtigen Hochhäusern der Banken, Versicherungen und Consulting Unternehmen. In diesem Bereich befinden sich aber auch das Parlamentgebäude, das neue Rathaus und das Universitätsgelände. Weiter westlich ist die Chinatown und der Kensington Market zu erkennen. An der Südseite liegt der Ontario See mit den Toronto Islands, ein Naherholungsgebiet mit Stränden, Wassersportmöglichkeiten, Marinas, Restaurants und kleinen Vergnügungsstätten.
Die größte Attraktion auf der Aussichtsplattform ist der Glasboden. Auch wenn der Verstand sagt, dass er sicher ist, so ist es doch ein seltsames Gefühl, auf den leicht schwingenden Glasplatten zu stehen und den Blick 346m abwärts schweifen zu lassen.
Sehr gut ist das Historic Fort York von 1783 zu erkennen, das als Ursprung Torontos gilt.
Aber es geht noch höher auf das Sky Pod in 447m Höhe. Das Dach des 54.000 Zuschauer fassenden Skydome lässt sich bei günstigen Wetterverhältnissen innerhalb von 20 min öffnen. Filigran und fast wie eine Modellandschaft erscheint die Stadt aus dieser Perspektive.
Neben dem CN Tower steht ein alter Ringlokomotivschuppen, der noch auf eine neue Verwendung wartet, CN steht für Canadian National und ist Kanadas größte Eisenbahngesellschaft mit Sitz in Montréal. Eigentümer ist die kanadische Regierung, die die CN dazu benutzte, unterentwickelte Regionen infrastrukturell zu erschließen.
Wie in vielen Städten der Welt wurden die ehemaligen Docks als Touristenattraktion und als exklusives Wohnviertel ausgebaut. Von hier aus gelangt man mit der Fähre entlang der Waterfront in ca. 10 min auf die Toronto Islands.
4 Millionen kanadische Dollar kostet eine Wohnung mit Terrasse in diesem Gebäude
Der Anblick der Stadt aus dieser Perspektive ist überwältigend. Die Skyline gibt uns die Illusion, in einer Großstadt der USA und nicht Kanadas zu sein.
Die Toronto Islands sind autofrei und ein idealer Ort für Großstadtmenschen, um Alltagsstress abzubauen. Sie waren bis 1858 Halbinseln und wurden damals bei einem Sturm vom Festland abgetrennt.
Wer hier etwas gilt, hat in einer dieser Marinas sein Boot liegen.
Auch heute noch sind die Islands als Strandschutz bei Stürmen unverzichtbar. Aber auch als Schutzgebiet für viele Wasservögel wie Kormorane, Reiher und den seltenen Eastern Bluebird erfüllen die Inseln eine wichtige Aufgabe. In den Sommermonaten vermieten einige Bürger Torontos ihre Wohnungen und leben auf den Islands in Hausbooten. Hier werden auch alle Arten von Wassersport betrieben. Die Infrastruktur für das Leben auf den Inseln wird durch Einrichtungen wie etwa eine Feuerwache, durch Kirchen, Restaurants und Einkaufsläden unterstützt.
Viele der verglasten Gebäude Torontos werden durch das Deep Lake Water Cooling System mit Kälte versorgt. Dabei wird dem Ontariosee in einer Tiefe von ca. 80m 4ºC kaltes Wasser entnommen und ins Fernkühlnetz der Stadt gepumpt. Dadurch wird der Strombedarf für die Klimaanlagen um 75% reduziert.
Das Historic Fort York ist die größte Ansammlung alter Gebäude aus dem Krieg von 1812. In den Sommermonaten finden stündlich Vorführungen in historischen Kostümen statt.
Deutlich lässt sich der Unterschied im Komfort zwischen Offizier – und Mannschaftsunterkünften erkennen.
Im Jahr 1615 waren die Franzosen Étienne Brule und Samuel de Champlain die ersten Europäer die diesen Platz erreichten. 1720 entstanden die ersten Pelzhandelsposten. 1788 erfolgten die ersten Ansiedlungen nachdem die Briten das Land von den Mississauga Indianern gekauft hatten und Fort York errichtet hatten. Während des Krieges von 1812 wurde die Stadt zweimal von den Amerikanern besetzt. Von den Kanadiern wird der Krieg noch heute als erfolgreiche Abwehrschlacht gegen den Expansionsdrang der Amerikaner empfunden und hat wesentlich zur Bildung eines kanadischen Nationalgefühls beigetragen. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die Kanadier Fort York als eine der Geburtsstätten Kanadas empfinden.
Die 1827 als King’s College gegründete Universität von Toronto zählt zu den Top-Twenty der Welt und hat ca. 60.000 Studenten, davon rund 6.000 Internationale. Besonders die medizinische Fakultät ist berühmt für Pionierleistungen auf dem Gebiet der Forschung über Insulin und Diabetes und für die Entwicklung des ersten Herzschrittmachers. Die Universität brachte bisher sechs Nobelpreisträger hervor.
Viktorianische Hochgotik, architektonischer Ausdruck aller Werte der britischen Monarchie in Reinkultur; auf diesem Universitätsgelände glaubt man, in Großbritannien zu sein – ein Eindruck, dem man in diesem Land sonst allenfalls in Ottawa erliegt.
Eichhörnchen scheinen sich in Kanada überall wohl zu fühlen. Als scheu kann man sie jedenfalls nicht bezeichnen.
Zwischen Universität und Finance District liegt das Parlamentsgebäude von Ontario, ehemals Upper Canada, 1886 in neugotischem Stil erbaut. Premier Whitney, von 1905 bis 1914 an der Macht, legte den Grundstein zur Industrialisierung Ontarios durch die Gründung der Hydro-Electric Power Commission of Ontario. Allerdings spaltete er auch das Land durch die Regulation 17, die das Lehren von Französisch in den ersten drei Schuljahren verbot.
Der Queenspark bildet eine letzte grüne Barriere vor den Hochhäusern der Downtown.
Die Art Gallery of Toronto ist eine der bedeutendsten Kunstsammlungen Kanadas. Das daneben liegende Sharp Centre for Design des Ontario College of Art & Design zeichnet sich durch seine eigenwillige Architektur aus. Der Volksmund nennt es „Fliegende Tischplatte“. In diesem Viertel stehen die ältesten Häuser der Stadt.
In östlicher Richtung überquert man die University Avenue, an der sich alte und neue Architektur harmonisch vermischen. Dann erreicht man die Osgoode Hall, in klassischem viktorianischem Stil, heute das Berufungsgericht der Provinz Ontario und die Rechtsanwaltskammer von Upper Canada.
Nach wenigen Schritten betritt man den Friedensgarten, eröffnet 1984 von Queen Elizabeth II, in dem Papst Johannes Paul II das Ewige Licht mit einer Flamme aus dem Friedendenkmal von Hiroschima entzündete.
Dieser Platz wird überragt vom neuen Rathaus mit seinen beiden halbrunden Türmen. Es wurde von dem finnischen Architekten Viljo Revell entworfen. Aus der Vogelperspektive erscheint es wie ein Auge im Zentrum der Stadt.
Am östlichen Ende des Platzes das alte Rathaus, neugotisch wie das Parlamentsgebäude, früher Entwurf einer eigenständigen nationalen kanadischen Architektur.
Dudelsackpfeifer gehören in Kanada zum Straßenbild, nicht nur in Toronto.
Von der Queens oder der Younge Street kommend, gelangt man zum Eaton Centre. Hat man sich bisher gewundert, relativ wenige Menschen auf der Straße zu sehen, dann erkennt man spätestens jetzt, wo sich die Menschen aufhalten. In diesem riesigen, mehrstöckigen Einkauf- und Geschäftszentrum lässt sich die multikulturelle Vielfalt diese Stadt am besten beobachten. Im Untergeschoß sind Restaurants aus allen Teilen dieser Erde untergebracht, in denen sich ausgezeichnet essen lässt, auch wenn die Plastikkultur hier schon stark verbreitet ist.
Das Eaton Centre ist einer von vielen Punkten, an denen sich der Path, wie der Underground Torontos bezeichnet wird, betreten lässt. In der Dowtown sind praktisch alle Gebäude unterirdisch mittels des Path verbunden, an denen sich an die 1.500 Geschäfte und Restaurants befinden. Man legt im Winter seine Wege in der City unterirdisch zurück und erledigt Einkäufe, ohne die schneebedeckten Straßen betreten zu müssen. Auch von der U-Bahn gibt es direkte Zugänge zum Path, so dass man auch getrost auf sein Auto verzichten kann. Manchmal ist es für Fremde nicht ganz einfach die Orientierung zu behalten. Dann wendet man sich getrost an die Einheimischen. Die freundlichen Kanadier erklären gerne den richtigen Weg.
Auf diese Weise erreichen wir die Union Station mit seiner berühmten Abfertigungshalle.
Zurück bewegen wir uns oberirdisch, beobachten das Treiben auf der Bay Street und lassen die Architektur des Finance District auf uns wirken. In Toronto kann man sich ohne Probleme zu Fuß fortbewegen – auch nachts. Allerdings sind die Entfernungen gerade in der Sommerhitze nicht zu unterschätzen. Mit U-Bahn und Bus ist jedoch jeder Punkt der Stadt problemlos zu erreichen. Mit dem Auto ist es vielleicht bequemer aber Parken stellt sich als Problem dar. In der Regel gibt es nur Flat-Rates für den Tag.
Die Younge Street wichtigste Nord – Süd-Achse quer durch die Stadt, reich an Theatern, Music-Halls und Gelegenheiten, sich ins Nachtleben zu stürzen.
Toronto ist die drittgrößte Film und Fernsehproduktionsstätte Nord Amerikas. Die Distillery im Südosten der Stadt war einst mit seinen 44 Hallen die größte Whiskey Destillerie des britischen Empire. Heute dient sie als Kulisse für Filme wie Chicago oder X-Men, die hier produziert wurden. Ein Teil des Areals wurde zu einem Vergnügungsviertel mit ausgewählten Restaurants und Kunstgalerien umgestaltet.
Die anglikanische St. James Cathedral mit Kanadas höchstem Kirchturm stammt ursprünglich von Ende des 18. Jahrhunderts, brannte nach 56 Jahren ab und wurde in neugotischem Stil wieder aufgebaut. Die ausdrucksvollen Buntglasfenster stammen von Stuart Reid und wurden von Queen Elizabeth II 1997 eingeweiht.
Der gepflegte umgebende Park lädt zu einer Rast ein.
Gleich in der Nähe kann das erste Postamt Torontos besichtigt werden. Heute ist es ein Museum.
Der St. Laurence Market, einst das Rathaus von Toronto, ist ein Paradies für Feinschmecker. Sauber, wohlgeordnet bereichern hier kulinarische Köstlichkeiten aus allen Teilen dieser Erde den Einkaufskorb. Von frischem Obst und Gemüse über Wurst und Käsespezialitäten bis hin zu kanadischem Lobster und Kaviar gibt es hier alles zu kaufen. Das Personal, aber auch die Besucher sind mit ihrer kanadischen Mentalität besonders freundlich und einem kurzen Gespräch nicht abgeneigt, was das Schlendern durch diese Hallen zu einem besonderem Erlebnis werden lässt.
In der westlichen Innenstadt liegt das nach Los Angeles und Vancouver drittgrößte Chinesen Viertel Nordamerikas, rund eine halbe Million Chinesen.
Ein guter Teil spricht nur chinesisch. Ein Blick auf die Schilder der ausgestellten Waren zeigt schnell, dass es von Vorteil wäre, hier chinesisch zu verstehen.
Der daneben liegende Kensington Market mit seinen karibischen Geschäften errinnert ein wenig an die „Flower-Power“ Zeit. Das Völkergemisch dürfte aber nirgends größer sein als hier.
Casa Loma ist das kurioseste Gebäude Torontos. Sir Henry Pellatt, ein reicher exzentrischer Industrieller und Finanzier, baute es 1911. Seine Frau gründete die erste Pfadfindergruppe für Mädchen in Kanada. 10 Jahre später musste er das Gebäude wegen Ruins verkaufen. 1933 fiel es der Stadt zu und wurde als Museum der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Es verfügt über fast 100 Räume, wovon die Eingangshalle, der Ballsaal und der Wintergarten zu den Beeindruckendsten zählen. Die Innenausstattung ist aus den edelsten und teuersten seinerzeit verfügbaren Materialien. Das Schloss ist mittels eines 244m langen unterirdischen Gang mit den Stallungen verbunden. Die Türme gewähren einen prächtigen Rundblick über die Stadt. Ein Schloss nach dem Geschmack von König Ludwig II von Bayern.
Das Royal Ontario Museum, kurz ROM genannt, eines der größten Museen der Welt, wird aktuell umgebaut. Daniel Libeskind überzieht das Gebäude mit einer Fassade aus bizarren Polygonen. Neben dem Sharp Centre for Design wird hier ein neues Zeichen für Kanadas innovative Architektur gesetzt, in der fast alles möglich ist.
Die Bloor Street, eine Hauptader von Ost nach West, mit jeder Menge Restaurants und Läden ist ein Beispiel für kreatives Nebeneinander alter und neuer Bauformen ohne Berührungsängste.
Einen Höhepunkt unter den Naturwundern Kanadas stellen die Niagarafälle dar, um 130 km von Toronto entfernt.
Auch diesmal benutzen wir einen Aussichtsturm, den Skylon Tower, um uns einen Überblick zu verschaffen. Fantastisch ist der Ausblick auf die kanadischen Horseshoe Falls, die American Falls und die Casino Areas.
Von hier aus kann man auch beobachten, wie gefährlich weit sich die „Maid of the Mist“ an die Gefahrenzone vorwagt. Ungefähr die doppelte Wassermenge des Rheins stürzt hier 52 m in die Tiefe. Die Horseshoe Falls sind ca. 792m, die American Falls ca. 363m lang.
Jeder zweite Versuch, die Fälle mit Tonnen oder Booten zu befahren, endete tödlich. Im Oktober 2003 aber überlebte ein vermutlich lebensmüder Mann, der sich in die Horseshoe Falls warf, entgegen seiner Absicht mit nur leichten Verletzungen. Es dürfte das erste Mal gewesen sein, dass jemand die Fälle ohne Hilfsmittel bezwang.
In der extremen Kältewelle Januar 1936 froren die Fälle ein. Eine mehrere hundert Meter breite Eisbarriere sperrte für einige Stunden den Wasserzufluss; das einzige bekannte Mal, dass die Fälle auf Grund einer natürlichen Ursache wasserfrei waren.
Jährlich besuchen Millionen Menschen die Wasserfälle. Deshalb ist bereits zu normalen Zeiten ein reger Besucherstrom entlang der abfallenden Hänge unterwegs. In der Hauptsaison soll das Gedränge schon unangenehm sein.
Die Fahrt mit der „Maid of the Mist“ sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Man bewegt sich unter dem anschwellenden Tosen der Fälle direkt auf einen Vorhang aus Wasser und Gischt zu. Zwei 350 PS starke Dieselmotoren geben diesem Schiff die nötige Kraft und Wendigkeit, so nahe an den Fällen mit bis zu 600 Passagieren zu navigieren. Aber für die Mannschaft ist vermutlich jeder Meter, jeder Strudel und jeder Fels längst Routine.
Jedes Fortbewegungsmittel wird aufgeboten, man kann die Fälle vom Hubschrauber aus bestaunen oder im Fesselballon überschweben, oder man quert den Fluss per Seilbahn, begleitet von Möwen und Kormoranen, die unablässig durch die Gischt fliegen.
In den Abendstunden werden die Wasserfälle farbig beleuchtet, manchen ist das des Guten zuviel.
In der Dunkelheit durchkämmen die Waschbären das Gelände nach Abfällen der Touristen.
Durch die Weinanbaugebiete geht’s zum Wellandkanal der auf über vierzig Kilometern den Erie- mit dem Ontariosee verbindet und 8 Schleusen braucht um das Gefälle für Schiffe passierbar zu machen. Bei der Schleuse Lok-7 kann man hautnah Schiffshebungen beobachten. Die oft über 200m langen Schiffe passen zentimetergenau in die Schleusenbecken.
Die oft bedrohlich wirkenden Stahlkonstruktionen sind Hebebrücken für Strassen und Bahnverbindungen.
Der Weg durch Weinberge und Farmland Richtung Waterloo führt zum Farmer’s Market in St. Jacob. Das Angebot an Obst und Gemüse ist ausgezeichnet, allerlei landwirtschaftliche Produkte vom Käse bis zum erstklassigen Ahornsirup, aber auch Kleidung und Haushaltswaren können hier gekauft werden.
In der Region von Kitchener und Waterloo trifft man auf Mennoniten und Amisch die man sofort an ihrer Kleidung erkennt. Die Amischfrauen tragen eine schwarze Haube, die Frauen der Mennoniten eine weiße, die Männer tragen schwarze Hosen und Westen über einem weißen Hemd. Dazu kommt in der Regel ein schwarzer Hut. Sie stammen im Wesentlichen von der Täuferbewegung ab, die den Standpunkt vertrat, ein Gläubiger könne nur sein, wer sich freiwillig für eine Religion entschieden hat. Deshalb werden erst die Erwachsenen getauft. Innerhalb der Glaubensgemeinschaft herrscht eine strenge Disziplin, weshalb sie auch oft verfolgt wurden. Die Mennoniten orientieren sich an Gewaltlosigkeit. Manche verweigern den Wehrdienst und die Steuern, soweit sie für Militärausgaben bestimmt sind. Sowohl die Amisch als auch bestimmte mennonitische Gruppen wie die „Old Order Mennonites“ lehnen manche moderne technische Errungenschaften ab. Die meisten stammen aus der Pfalz oder sind über Polen und Russland in Kanada eingewandert, andere stammen aus der Schweiz.
Deshalb spricht ein Großteil von ihnen Pennsylvania Dutch, einen alten deutschen mit englischen Worten durchsetzen Dialekt. Die Geburtenrate ist sehr hoch, wodurch sie ein jährliches Wachstum von ca. 3-5% haben, d.h. die Bevölkerung verdoppelt sich alle 25 Jahre. Sie sind sehr geschäftstüchtig und trotz ihrer besonderen Lebensweise gut in die Gesellschaft integriert. Am meisten werden sie im Straßenverkehr auffällig, da sie normalerweise mit Pferdekutschen und Buggies unterwegs sind.
Vorbei an Toronto während der Rushhour führt uns die Route nach Peterborough, ca. 120 km nordöstlich von Toronto.
Unser Quartier ist das „Liftlock Bed and Breakfast“ von Mrs. Doreen Davies, eine an einem Kanal gelegene weitläufige Anlage mit Ferienappartements in einzelnen Häuschen Dazu gehören auch vier Hunde, zwei Rehe und eine Gans. Im Winter, sagt Mrs. Davies, fürchtet sie, wenn im Wald die Wölfe heulen, um ihre Rehe, und auf dem benachbarten Golfplatz taucht auch schon mal ein Bär auf. Obwohl man nur fünf Minuten vom Stadtzentrum entfern ist, fühlt man sich wie in der Wildnis. Doch es ist ein idealer Platz zum Kanufahren.
Die Appartements sind hell, geräumig und technisch auf dem neuesten Stand.
Hauptattraktion in Peterborough ist eines der weltweit größten hydraulischen Schiffshebewerke.
Ansonsten verspricht der Ort einen beschaulichen und geruhsamen Aufenthalt.
Weniger bekannt ist Kanadas einziges Kanumuseum. Hier wird der Bau indianischer Kanus demonstriert; es gibt auch eine Sammlung historischer Kanus, die einmal für die verschiedensten Zwecke bestimmt waren. Natürlich in erster Linie die der Indianer, gebaut für Jagd und Krieg, sodann die Kanus der Entdecker, in denen das weite Land erkundet wurde, bis hin zum Luxuskanu mit Grammophon, das eher beschaulichen Zwecken einer Generation diente, die nicht ins Kanu stieg, um zu entdecken, sondern um sich zu vergnügen. Schließlich gibt es auch moderne Sportkanus für olympische Disziplinen, natürlich alles made in Canada. Nicht zuletzt werden dem Besucher auch die alltäglichen Ausrüstungsgegenstände vorgeführt, mit denen einst die landhungrigen Pioniere in die Weiten des Nordens aufbrachen.
Eigentlich sind wir hierher gekommen, um im Petroglyphs Provincial Park ca. 50km nordöstlich von Peterborough, zu filmen. Einzigartige Felszeichnungen wurden von den Ureinwohnern vor ca.1000 Jahren in einer riesigen Granitplatte hinterlassen. Aber da dieser Ort von den Ojibwa-Anishinabe Indianern als heilige Stätte verehrt wird, ist Fotografieren und Filmen strikt verboten. Und damit niemand auf die Idee kommt, heimlich zu photographieren und zu filmen, hat man die Granitplatte mit einem gläsernen Schutzgebäude mit Videoüberwachung umgeben. Dafür bietet die Umgebung zahlreiche Ausblicke auf einen Ausschnitt aus der kanadischen Seenlandschaft.
Als wir am Trent River filmen, nimmt uns ein Mann unter die Lupe und will wissen, was wir hier treiben. Nicht persönliche Neugierde treibt ihn. Er ist in Sachen „Neighbour Watching“ unterwegs und aktiv in einer der typisch kanadischen Bürgerinitiativen, deren Mitglieder sich für eine friedliche Nachbarschaft einsetzen und im Turnus die Umgebung auf Vorkommnisse beobachten, die den Frieden stören könnten. Wir erzählen dem Mann, was wir vorhaben. Damit ist sein professioneller Argwohn zerstreut, und er zieht friedlich ab, nicht ohne uns eine gute Reise gewünscht zu haben.
Am Ufer des Ontario Sees liegt Kingston, genannt „Limestone City“, wegen der vielen Gebäude aus demselben grauen Kalkstein, etwa dem großen Gefängnis am olympischen Yachthafen. Hier wurden 1976 die olympischen Segelwettbewerbe ausgetragen.
Einst als eine schlichte Pelzhandelsstation gegründet, wurde die Stadt 1758 von den Engländern erobert, die, um die Handelschifffahrt auf dem St. Lorenz Strom und dem 1832 fertig gestellten Rideaukanal zu sichern, das Fort Henry bauten. Zur Mitte des 19. Jh. stieg Kingston für wenige Jahre zum Rang einer Hauptstadt der „Vereinigten Provinzen Kanadas“ auf.
Vor dem Rathaus, gleich neben der ehemaligen Eisenbahnstation der Canadian Pacific, findet gerade das jährlich stattfindende „Limestone Musical Festival“ statt.
Entlang des Rideau-Kanals geht es, an typisch kanadischen Rinderfarmen vorbei, über Smith Falls und Merrickville Richtung Ottawa.
In Smith Falls hat man die besten Möglichkeiten die Schleusenanlagen zu sehen.
Der Rideau-Kanal ist eine technische Meisterleitung der Ingenieurskunst des 19. Jahrhunderts. Über 202 km hinweg verbindet er eine Vielzahl von Flüssen und Seen mittels Kanälen und 45 Schleusen. Er wurde erbaut, da der Seeweg auf dem St. Lorenz Strom durch die Amerikaner ständig bedroht war, und wurde zu einem der bedeutendsten Handelwege Kanadas. Erst mit dem Bau von Eisenbahnverbindungen verlor der Rideau-Kanal seine Bedeutung. Heute wird er hauptsächlich von Freizeitkapitänen mit Hausbooten befahren. Zum Teil verläuft er durch den Frontenac Park, der auf einer Fläche von 6.000 Hektar noch unberührte Natur mir ihrer Tierwelt vorführt, aber in den erlaubten Abschnitten auch zum Kanusport und zum Camping einlädt.
Auch Merrickville bietet begehbare Schleusenanlagen und außerdem eine Menge typischer Gebäude aus dem 19. Jh.
Ottawa, die Hauptstadt Kanadas mit knapp 800.000 Einwohnern, bildet zusammen mit der auf der anderen Seite des Flusses Ottawa liegenden Stadt Gatineau Canadas Capital Region, zwischen den Provinzen Ontario und Québec.
Vom Hotel aus ergibt sich ein aufschlussreicher Überblick über den Parliaments Hill und den Ottawa. Danach brechen wir zu Fuß auf, um die Stadt zu erkunden.
1857 bestimmte Königin Victoria Ottawa zur Hauptstadt der „Vereinigten Provinzen von Ontario und Québec“ und beendete damit einen erbitterten Streit der drei Bewerber Montréal, Toronto und Kingston um diesen Titel. Der Ausbau zur Hauptstadt wurde zügig vorangetrieben und erreichte mit dem Bau der Parlamentsgebäude im neugotischen Stil seinen Höhepunkt. Das Regierungsviertel wird vom Friedensturm überragt.
Ottawa ist auch Sitz des obersten Gerichtshofes.
Auf dem Platz vor dem Parlamentsgebäude wird täglich um 10 Uhr morgens die Wachablösung exerziert. Als Nicht-Brite steht man diesem Spektakel skeptisch gegenüber. Erst wenn man sich mit der Geschichte Kanadas auseinandersetzt und begreift, dass die Briten die wichtigsten Schlachten gegen einen zahlenmäßig überlegenen Gegner gewonnen haben, erkennt man den Sinn dieser Paraden. Grund für die militärische Überlegenheit war ihre Disziplin und die exakte Umsetzung des in der Ausbildung Exerzierten.
Hinter dem Parlamentsgebäude spielen junge Schauspieler historische Szenen, etwa solche aus einem Wahlkampf aus dem 19. Jh. Von hier aus überblickt man sehr gut den Ottawa River und seine Schleusen, das „Museum of Civilisation“, die Basilika Notre Dame und die Nationalgalerie.
Ab und zu kann man sich auch mit einem der legendären Mounties fotografieren lassen.
Über allem wacht Königin Victoria, der die Stadt wirklich viel zu verdanken hat.
Einen guten Teil des Charmes verdankt die Stadt nicht nur ihren Bewohnern, sondern ebenso den beeindruckenden Spiegelungen der viktorianischen Gebäude in den Glasfassaden der modernen Hochhäuser. Überall hat man sich bemüht, Historisches mit Modernem zu verschmelzen.
Fast alle Sehenswürdigkeiten sind in Ottawa bequem zu Fuß zu erreichen. Ein Rundgang führt auf die andere Seite des Ottawa zum „Museum of Civilisation“. Von hier aus kann man sehr gut erkennen woher der Parliaments Hill seinen Namen hat.
Wer nicht gehen möchte oder kann, benutzt einen Amphibienbus.
Sehr gut ist der Beginn des Rideau-Kanals mit seinen 8 Schleusenstufen erkennbar, die an dieser Stelle 24m überwinden. Die Erhebung daneben wird vom Hotel Château Laurier überragt.
Das Museum of Civilisation, entworfen von Douglas Cardinal, gilt als Meisterleistung der Architektur. Es wurde ausschließlich aus einheimischen Materialien hergestellt und besitzt nur Rundungen und keine Kanten. Im Inneren wird hauptsächlich die kanadische Geschichte dargestellt.
Auf der anderen Seite des Ottawa erhebt sich auf einer Anhöhe die Nationalgalerie mit Kanadas größter Sammlung europäischer Kunst.
Daneben die Basilika Notre Dame, Sitz des Erzbischofs.
An der US-Botschaft vorbei gelangt man zum Majors Hill Park, einem rege besuchten Treffpunkt und einem Ort der Entspannung zugleich. Ein Aufenthalt an den Balustraden gewährt einen privilegierten Ausblick auf das Geschehen in den Schleusen des Rideau-Kanals. Man wir feststellen, dass sie auch heute noch von Hand betrieben werden.
Der Rideau-Kanal friert gewöhnlich während der Wintermonate ein und wird zur vielleicht längsten Schlittschuhbahn der Welt. Daneben liegen das Government Conference Centre und das Rideau Centre, das zum Shopping einlädt.
Das Hotel Château Laurier wurde 1912 im Stil eines französischen Schlosses als Prestigeobjekt der Canadian National erbaut. Später wurde es an die Canadian Pacific verkauft. Berühmte Staatsmänner und Künstler, kurz, die Berühmten dieser Welt, zählen zu seinen Gästen. Heute kommen die Rolling Stones; sie geben heute Abend ihr Konzert, im Rahmen ihrer aktuellen Megatournee.
Auch für Hochzeitsfeiern ist es ein beliebter Ort.
Ein Block weiter ist der Byward Market. Sein Name erinnert an den britischen Offizier John By, der 1826 in königlichem Auftrag den Bau des Rideau-Kanals zu beaufsichtigen hatte. Nach ihm wurde auch das Städtchen Bytown benannt, das später in Ottawa umbenannt wurde. In den Sommermonaten werden um den Byward Market herum neben üblichen landwirtschaftlichen Produkten Obst und Blumen verkauft. In den angrenzenden Straßen bieten Straßenclowns, Artisten und Musiker ihr Können auf, um die Passanten zu unterhalten.
Abends ein Bummel durch die Sparks Street Mall. Man kann sicher sein, nicht ohne Straßenkonzert heimgehen zu müssen. Gelegentlich sind auch bekannte Musiker dabei. Das Regierungsviertel nebenan bietet derweil eine Lightshow zur Geschichte des Landes, ein eher patriotisches Schauspiel.
Jedes Jahr wird ein weiteres militärisch-historisches Spektakel öffentlich vorgeführt, der Fahnenappell, ein Zeremoniell mit über 300 Akteuren, mit passender Begleitmusik, versteht sich. Heute sind die meisten Teilnehmer Studenten, die sich durch ihre Mitwirkung als Statisten etwas Geld dazuverdienen, als verkleidete Söldner sozusagen. Der ursprünglich Sinn der Zeremonie war, den einzelnen Truppenmitgliedern die Regimentsflaggen bekannt zu machen, damit sie auf dem Schlachtfeld wussten, wo im Chaos des Krieges ihr Platz war.
Die Parade wird von Colonel Lamare abgenommen.
Ein Besuch des Parlaments ist Pflicht im Kulturprogramm Kanadas. Die Sitzungsräume der Abgeordnetenkammer und des Senats sind ebenso zu besichtigen wie auch die Ehrenhalle mit seltenen Bildnissen der Queen. Der Zeremonienstab des Regierungssprechers inmitten der Fahnen der einzelnen Provinzen passt hervorragend in die Architektur des 1916 nach einem Brand größtenteils zerstörten und wieder aufgebauten Gebäudes.
Vor dem Parlament zieht gerade die Happy Pride Parade vorüber, ein Spektakel etwas anderen Charakters, das Gegenstück zur Christopher Street Parade.
Ein Katzensprung vom Parlament entfernt liegt das Currency Museum und zeigt alles über historische Münzen und Banknoten. Beeindruckend allein ist schon die Eingangshalle. Sie ist nämlich an die zwölf Stockwerke hoch, eine wahre Kathedrale des Geldes. Die vermutlich einzigen Palmen im Umkreis mehrer hundert Kilometer und der Springbrunnen in dieser Halle wirken fast winzig.
Vor dem Eingang des direkt am St. Lorenz Strom gelegene Upper Canada Village liegt Chrysler’s Farm, ein historischer Kriegsschauplatz. Im Jahre 1830 griffen hier die Yankee-Truppen die Anglo- und Frankokanadier an, mit dem Ziel den Vorstoß auf Montréal zu decken. Unter schweren Verlusten mussten sie den Rückzug antreten, obwohl sie zahlenmäßig den Kanadiern, auf deren Seite auch Indianer kämpften, um das Fünffache überlegen waren. Als Folge dessen wurde auch der Angriff auf Montreal abgebrochen und sicherte Kanada somit die Unabhängigkeit. Der Sieg der zahlenmäßig unterlegenen Kanadier war auf deren bessere Disziplin und Kampfmoral zurückzuführen.
Im Upper Canada Village wurden Originalgebäude der so genannten „Lost Villages“ wiederaufgebaut, die beim Bau der Schleusenanlagen des großen St. Lorenz Seewegs geflutet wurden. Während der Sommermonate wird hier das Leben des 19. Jahrhunderts vorgeführt. Das ganze Dorf lebt den Alltag einer verflossenen Epoche: Brot wird manuell gebacken, ein Schmied arbeitet wie damals an der offenen Esse, das heißt, ebenfalls hauptsächlich mit der Hand, eine regionale Zeitung wird in Bleisatz hergestellt.
Es gibt auch eine Dorfschule – an einem Flip-Chart Staänder hängt eine Landkarte Nordamerikas von 1866 -, in der die Lehrerin persönlich den Boden fegt..
Die landwirtschaftlichen Verrichtungen, einschließlich des Käsemachens, geschehen mit den damals verfügbaren Techniken.
Sehr überzeugend wirkt auch die Schneiderin. Sie erzählt, wie sie die Ideen für ihre Entwürfe aus Pariser Modezeitschriften bezieht und dann nach eigenen Vorstellungen in ihre Kreationen umsetzt. Wenn man ihr zuhört, fühlt man sich tatsächlich in jene Zeit zurück versetzt.
Der Kramladen ist bis zur Decke voll gestopft mit Originalgegenständen jener Zeit.
Montréal ist die zweitgrößte Stadt Kanadas und die zweitgrößte französisch sprechende Stadt der Welt. Im ihrem Großraum leben 3,6 Millionen Menschen. 1600 km vom Atlantik entfernt ist sie die bedeutendste Hafenstadt im Osten Kanadas.
Die Architektur des Olympiastadions ist die bleibende Erinnerung an die Sommerolympiade von 1976.
Die Schwimmhalle war bis zum Bau der Schwimmhalle von Sydney die Größte der Welt. Der Boden des halben Beckens kann gesenkt und gehoben werden, so dass die Wassertiefe für die einzelnen Bewerbe angepasst werden kann.
Die große Halle war die erste Halle mit variablem Dach. Die Konstruktion hat sich aber besonders im Winter, wo 100 Tonnen Schnee darauf lasten, nicht bewährt, so dass es heute fest geschlossen und im Winter beheizt ist. Unserem netten Führer war aber anzumerken, dass die Betreibergesellschaft mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat um den Betrieb der riesigen Hallen aufrechterhalten zu können. Kurz vor unserem Besuch fand in der großen Halle ein Marathonlauf statt.
Wahrzeichen des Olympiastadions ist sein schräger Turm, der einen umfassenden Rundblick über das olympische Dorf, die Innenstadt, den St. Lorenz-Strom und den Hafen gewährt. Der Turm wurde allerdings erst 11 Jahre nach der Olympiade fertig gestellt, weil die Bauarbeiter während der Bauphase häufig streikten.
Er dient als Basis für eine Zahnradbahn, mit der man die Aussichtsplattform erreicht.
Bis 1760 war die Stadt in französischem Besitz. Mit dem Frieden von Paris wurde sie wie ganz Kanada an die Briten abgetreten. Die Statue von Lord Nelson vor dem Rathaus zeugt davon.
Montréal ist durch und durch von französischen Kultur geprägt. Vor allem in „Vieux-Montréal“ der Altstadt am Hafen, in den Kneipen und in der Musik spürt man den Geist des Mutterlandes, aus dem einst die Siedler kamen. Hier wird französisch gesprochen, aber auch Joual, den eigenständig fortentwickelten Dialekt der Provinz Québec mit amerikanischen Einflüssen. Engen Gassen mit teilweise dreihundert Jahre alten Häusern, vermitteln das Gefühl, man sei in der französischen Provinz. Die Kutschen, denen man hier auf Schritt und Tritt begegnet, geben diesem Eindruck noch zusätzlich einen Hauch von Vergangenheit.
Aber es gibt auch noch andere Fortbewegungsmittel. Ein Familienausflug der etwas anderen Art.
Vom Passagierhafen aus ist die beeindruckende Markthalle des Marché Bonsecours gut zu sehen. Ursprüglich war sie Rathaus und Parlamentssitz, später Konzertsaal. Heute werden in ihrem Inneren bevorzugt Kunstgegenstände und Möbel angeboten.
Eine Hafenrundfahrt mit einem der kleinen Passagierschiffe lohnt sich. Man genießt einen prächtigen Ausblick auf die Innenstadt, den Mont-Royal, den Marché Bonsecours und die Schleusen des Lachine-Kanals Man gleitet an zwei beliebten Ausflugzielen vorüber, den Inseln Notre-Dame und Sainte-Hélène, letztere Schauplatz der Weltausstellung 1967, an die ein durchsichtiger Kuppelbau erinnert, heute ein Multimedia-Museum zum Thema Wasserwirtschaft des Saint-Laurent.
Im Rahmen der Expo wurde auch das damals aufsehen erregende Gebäude Habitat 67 gebaut. Die 158 Betonkuben wurden scheinbar beliebig aufeinander getürmt, so dass die Terrassen gegenseitig nicht einsehbar sind. Die dynamische Bauart bildet noch heute die Basis für ein beliebtes Wohnobjekt.
Ein Reihenhaus auf dem alten Speicher kann man für 4,5 Millionen Dollar erwerben.
Auf der Île Sainte-Hélène wurde auch ein Vergnügungspark mit allerlei Fahrgeschäften angelegt.
Der riesige Getreidesilo im Industriehafen hat zwar ausgedient, wurde aber zum Leidwesen der Bevölkerung von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Zurück in „Vieux-Montréal“ bewundern wir die alten Zunftzeichen und lassen die Atmosphäre der Altstadt auf uns einwirken.
Etwas befremdlich fanden wir die überall in Kanada, mittlerweile aber auch in Europa anzutreffenden Christmas Stores, die das ganze Jahr Weihnachtsschmuck anbieten.
Der Place d’Armes, wo einst Truppenparaden stattfanden, ist der Mittelpunkt des alten Bankenviertels und ein beliebter Treffpunkt für die einheimische Bevölkerung und Touristen.
An seiner Ostseite befindet sich die Basilique Notre Dame, älteste katholische Stadtpfarrkirche Kanadas und eine der größten Kirchen Nordamerikas. Beeindruckend ist die Atmosphäre im Inneren durch die Holzvertäfelung im neugotischen Stil und die blau leuchtenden Fenster. Der Innenausbau wurde 1880 vollendet. Entworfen hat sie Victor Bourgeau, der sich von der Sainte-Chapelle in Paris inspirieren ließ.
Nicht weniger sehenswert ist die in etwas kleinerem Maßstab 1894 dem römischen Petersdom in Rom nach empfundene Kathedrale Marie-Reine-du-Monde.
Diese befindet sich am Place Ville-Marie.
Von hier aus wurde der Bau der Montrealer Untergrundbahn begonnen. Ähnlich wie in Toronto sind die Hochhäuser der Stadt durch U-Bahn und Einkaufpassagen verbunden.
Die ehemalige Union Station dient heute als Veranstaltungshalle und Konzertsaal. Zwischen den Hochhäusern der Banken und Consulting-Unternehmen steht eine Skulptur des britischen Bildhauers Henry Moore.
Die, 1821 gegründete McGill Universität mit 20000 Studenten ist auf ca. 80 Gebäude verteilt. Das Campusgelände ist ein geruhsamer Ort inmitten der Großstadt, der auch für Feste und Feiern aller Art genutzt wird.
Entlang des St. Lorenz-Stromes, von Montréal kommend, erreicht man Odanak. Hier lebt noch eine kleine Gruppe von etwa zweihundert Abanaki Indianern, insofern „echte“ Indianer, als beide Elternteile Indianer sind. Sie haben ihre alte indianische Kirche erhalten und ein kleines Museum aufgebaut, um wenigstens einen Teil ihrer Kultur zu erhalten und zu zeigen. Ihre Geschichte dürfte typisch für die vieler kanadischer Indianer sein.
Zuerst kamen die Franzosen, missionierten die Abanaki und trieben Pelzhandel mit ihnen. Die Engländer überfielen ihr Dorf mehrere Male und brannten die Kirche nieder. Später, in den Kriegen zwischen Franzosen und Engländern, wurden sie als Puffer zwischen den Frontlinien missbraucht. Erst der Zusammenschluss mehrerer Stämme im heutigen östlichen Kanada sicherte ihr Überleben. Heute sind sie in das Alltagsleben integriert und bei den Meisten fällt es schwer ihre indianische Abstammung zu erkennen.
In einem Nebenraum des Museums hat man eine Multimediashow vorbereitet, die versucht den Besuchern in kurzer Zeit etwas von der Naturreligion der Indianer nahe zu bringen.
Die Kirche zeigt viele indianische Motive. Eine der letzten Abanakifrauen erläutert voller Stolz und mit viel Hingabe die Bedeutung der einzelnen Gegenstände.
In Nicolet besuchen wir die Kathedrale, die wohl in den 60er Jahren errichtet wurde.
Am Abend sind wir in Trois-Rivières, berühmt für seine im Originalzustand erhaltenen Häuser aus der Gründerzeit. Die Stadt wurde 1634 als Pelzhandelsposten gegründet und ist heute, nicht zuletzt durch die großen Waldbestände im Hinterland, ein namhafter Standort der Papierindustrie. Das Manoir Boucher-de-Niverville wurde 1729 erbaut und beherbergt heute die Touristeninformation. Das Ursulinenkloster Couvent des Ursulines wurde 1697 gegründet; heute gehört dazu auch ein kleines Museum zur Geschichte des Klosters.
Am Hafen erreichen uns die ersten Ausläufer des Wirbelsturms Katrina, der zwei Wochen zuvor New Orleans zerstörte. Er hatte aber schon viel an Zerstörungskraft verloren und machte sich lediglich durch heftigste Regenfälle bemerkbar, die uns den nächsten Tag zwangen im Hotel zu verbringen. In der Provinz Québec wurden durch das Unwetter lediglich einige Strassen zerstört.
Am übernächsten Tag scheint wieder die Sonne. In der Zwischenzeit sind wir nach Québec weitergefahren.
Québec ist die französischste der kanadischen Städte und die älteste europäische Kolonie Kanadas überhaupt, heute mit einer Dreiviertelmillion Einwohnern. Gegründet 1608 von Samuel de Champlain, blieb sie bis 1759 unter französischer Verwaltung. In diesem Jahr entschieden die Briten die Schlacht auf der Abraham Ebene für sich; die Stadt musste kapitulieren, und der Frieden von Paris 1763 brachte sie mit ganz Kanada unter die britische Krone. Zwölf Jahre später scheiterte ein Versuch der USA, die Stadt zu erobern. Benannt ist sie, und damit die ganze Provinz, nach dem Ausdruck Kebek aus der Algonkin-Sprache, der Engstelle bedeutet, und die Flussenge des St-Laurent bei Québec bezeichnet, wo sich der Fluss am leichtesten überqueren ließ.
Unser Hotel ist in der Altstadt in der Nähe des Place d’Armes. in dessen Mitte ein Denkmal an die Ankunft der ersten Missionare zu Beginn des 17. Jh. erinnert. Auch auf diesem Platz, einem viel frequentierten Treffpunkt, tummeln sich Straßenkünstler. Daneben Cháteau Frontenac, Wahrzeichen der Stadt, Kanadas wohl berühmtestes Hotel, wurde Ende 19. Jh. für die Canadian-Pacific-Railway-Gesellschaft errichtet. Hier fanden zum Beispiel 1943/44 die Konferenzen zwischen dem amerikanischen Präsidenten Roosevelt und dem britischen Premier Churchill statt, und viele Berühmtheiten haben hier gewohnt, so etwa Königin Elisabeth II., Charles Lindbergh, der erste Nonstop-Allein-Atlantiküberflieger, oder Alfred Hitchcock.
Auf der Terrasse Duferin findet man das Denkmal von Stadtgründer Samuel de Champlain. Sie ist eine beliebte Promenade mit prächtiger Aussicht auf die Unterstadt und den St Laurent. Auch hier fehlen nicht die Musikanten, Sänger oder Artisten.
(136) Ein Teil der Terrasse ist derzeit von Archäologen mit Beschlag belegt, die mit Ausgrabungen im Schloss des Gouverneurs von Neu-Frankreich beschäftigt sind, das bei Angriffen der Engländer im frühen 19. Jh. vollständig zerstört wurde.
Wer will, kann auch seinem Kaninchen eine frische Briese gönnen.
Über die Terrasse erreicht man die Zitadelle, Nordamerikas einzige erhaltene Wehranlage. Sie beherbergt auch heute noch eine Garnison der kanadischen Armee, kann aber trotzdem besichtigt werden.
Auch hier findet täglich ein Wachwechsel in typisch britischem Stil statt, aber nie ohne das königliche Maskottchen Batisse, ein Ziegenbock mit vergoldeten Hornschützern. Er ist ein direkter Abkömmling des Ziegenbocks der königlichen Herde von Queen Victoria, der der Queen einst vom Shah von Persien geschenkt wurde. Die ursprüngliche Heimat von Batisse war das Hochland von Tibet. Der Ziegenbock machte einen friedlichen Eindruck, aber vermutlich weiß er die Ehre nicht zu schätzen.
Innerhalb des Forts gibt es ein Museum zur militärischen Vergangenheit und zur Geschichte Québecs, das auch den ausgestopften Urahnen des wackeren Batisse zeigt. Direkt vor den Mauern des Forts fand einst die entscheidende Schlacht um die Vorherrschaft Kanadas statt. In einem nur zwanzig Minuten andauernden Gefecht erlitten die Franzosen eine Niederlage, die letztendlich zum Verlust der Provinzen führte.
Auf dem Gelände hat der Generalgouverneur von Kanada ein Zweitbüro neben seinem offiziellen Dienstsitz in Ottawa.
Den schweren Geschützen, die von Québecs strategischer Bedeutung zeugen, begegnet man noch fast in der ganzen Stadt.
„Je me souviens“, ich erinnere mich, ist der Wappenspruch der Provinz Québec und auch auf jedem Nummernschild zu lesen. Allerdings nur am Heck der Autos. Ein zweites Schild für die Vorderfront wird hier als unnötiger Luxus betrachtet. „Wozu soll das gut sein“, meint ein Polizist. „Radarkontrollen gibt’s hier nicht“. Dies soll jedoch keine Aufforderung zum Rasen sein. Auf Autobahnen gilt allgemein ein Limit von 100km/h; mehr als 120 fährt hier normalerweise niemand. Innerhalb besiedelter Gebiete sind Kanadas Autofahrer, gemessen an europäischen Verhältnissen, äußerst rücksichtsvolle und höfliche Zeitgenossen.
Die alten Befestigungsanlagen ziehen sich über das Fort hinaus 4,6 km quer durch die Stadt und verleihen ihr historisches Flair.
Auch das Parlament von Quebec ist, ist ähnlich denen, die wir in Toronto und Ottawa sahen, einen Besuch wert. Auch hier finden sich wieder sehr schöne Buntglasscheiben, wie wir sie bereits zuvor kennen lernten.
Besichtigt werden können die Sitzungssäle der Nationalversammlung und der Legislative. Das Gemälde in der Nationalversammlung zeigt die erste Sitzung, als sich französisch- und englischsprachige Abgeordnete gegenüberstanden und keiner den anderen verstehen konnte. Heute wird französisch gesprochen. In Ausnahmefällen, wenn er glaubhaft versichert, sich in einem bestimmten Zusammenhang nur englisch ausdrücken zu können, darf ein „native Speaker“ auch mal Englisch sprechen.
Heute kann man die Abgeordneten mit englischer Muttersprache an einer Hand abzählen. Unser Führer referierte nicht nur über kanadische Politik, sondern stellte uns auch Fragen zur bevorstehenden Bundestagswahl in Deutschland.
Der in Purpur verkleidete Sitzungssaal der Legislative war ursprünglich die städtische Oper.
Durch das Stadttor in der Rue St-Louis erreichen wir das ehemalige Munitionsdepot der Stadt.
Von dort geht es zur Altstadt, einem wahren Touristenmagneten, geprägt durch ihr europäisches Erscheinungsbild. Enge Gassen und verwinkelte Häuser erwarten den Besucher.
Das Maison Jacquet von 1677 gilt als das älteste original erhaltene Gebäude Québecs. Heute dient es als Restaurant, das sich für einheimischen Hummer empfiehlt. Québec genießt den Ruf, den besten Lobster des Landes zuzubereiten. Zu diesem Ruf trägt natürlich auch die französische Küche bei.
Einen Rundgang durch das Château Frontenac mit seinen verwinkelten Erkern und Zinnen sollte man sich nicht entgehen lassen. Das Hotel veranstaltet auch einstündige Führungen.
Am Place d’Armes steht auch ein mächtiges Denkmal von Samuel de Champlain, dem Gründer dieser Stadt.
Gleich daneben ist der Eingang zur Zahnradbahn, die obere und untere Stadt verbindet.
Hier ist der eigentliche Mittelpunkt des Tourismus’ der Stadt. Die kunstvollen Schilder, die verwinkelten kleinen Häuser und die manchmal flächendeckenden Fassadengemälde machen den Besuch zu einem in Nordamerika einmaligen Erlebnis. Allerdings sind wir froh, nicht in der Hochsaison hier zu sein. Dann nämlich, sagt ein Kellner, ist es vor lauter Menschengewühl kaum noch möglich, die Casse-cou-Treppe, die Halsbrechertreppe, auf der sich schon manch betrunkener Seemann das Genick gebrochen haben soll, zu bewältigen.
Besucher aus Deutschland müssen auch ihre Gartenzwerge nicht vermissen.
Unzählige Restaurants bieten eine gute Gelegenheit die französische Cuisine kennen zu lernen.
Der Place-Royale ist der Mittelpunkt der unteren Stadt und zugleich der Ausgangspunkt der französischen Besiedelung Nordamerikas. Mittelalterlich gekleidete Handwerker und Straßenkünstler mischen sich unter die Touristen. Hier erlebt man, warum Québec die beliebteste Stadt für Touristen in Nordamerika ist.
Die Mitte des Platzes schmückt eine Büste von Ludwig dem XIV., dem zu Ehren der Platz benannt wurde.
In der kleinen Kirche Notre-Dame-des-Victoires ermutigt uns ein Priester, das ausgelegte Brot mitzunehmen. Die Kirche ist der Schutzheiligen von Paris Geneviève geweiht. Viele Legenden ranken sich um sie, doch unbestritten ist, dass sie sich stark für Arme und Hilfsbedürftige engagierte. Sie organisierte, als während einer Belagerung von Paris durch fränkische Stämme zu Ende des 5. Jh. eine Hungersnot ausbrach, einen Schiffskonvoi, der Weizen aus der Champagne nach Paris brachte. Die Armen erhielten Brot kostenlos. An dieses Ereignis will man in der Kirche Notre-Dame-des-Victoires erinnern, zum Zeichen, dass man auch in guten Zeiten mit Bedürftigen teilen soll.
Durch kleine Parks und durch enge Gässchen, aus denen Château Frontenac aus immer wieder neuen Perspektiven auftaucht, gelangen wir zurück zum Hotel.
Unterwegs lassen wir uns von einem Veteran des zweiten Weltkrieges in ein Gespräch verwickeln. Er erzählt uns von seiner Stationierung in Deutschland und fügt hinzu, er habe dort viele Freunde gewonnen.
Das nächtliche Québec erstrahlt in einer wahren Farbenpracht. Wer Lust verspürt, kann jetzt noch Einkäufe tätigen. Die rue du Trésor dient heute als Gemäldegalerie. Der Name erinnert an die hier befindliche französische Staatskasse, bei der die Kolonisten ihre Steuern zu entrichten hatten.
Am nächsten Morgen befinden wir uns am Place d’Youville, wieder ein beliebter Treffpunkt. Das Stadttor Kent und die anschließenden historischen Bollwerke sind ein beeindruckender Anblick.
In der rue Saint-Jean wird gerade ein Straßenfest vorbereitet.
Danach besuchen wir die Basilika Notre-Dame-de-Québec, hervorgegangen aus einer in Samuel de Champlains Auftrag errichteten Kapelle, mit üppigem Goldschmuck im Innenraum. Eine Kanzellampe ist ein Geschenk Louis’ XIV.
Bei schönem Wetter lohnt sich ein Ausflug auf die Île d’Orléans, mitten im St- Laurent, bietet sie einen guten Ausblick auf die Silhouette von Québec. Sie scheint ein ganz besonders mildes Mikroklima zu haben; hier wird nämlich Wein angebaut. Das Landschaftsbild erinnert zwingend an die französische Provinz.
Darüber hinaus ergibt sich hier ein erstklassiger Ausblick auf die immerhin 83 Meter tiefen Wasserfälle von Montmorency.
Bevor wir Québec verlassen: ein Abstecher auf die gegenüberliegende Seite des St-Laurent, nach Lévis. Von hier aus hat man den schönsten Blick auf das Château Frontenac und die Zitadelle.
So interessant die großen Städte der Ostküste auch sind, so sind wir nun doch froh, die landschaftlichen Reize und die Tierwelt Kanadas kennen zu lernen. Den St- Laurent entlang fahren wir Richtung Norden. Die Strasse führt durch große Waldgebiete in die Ausläufer der Laurentides. Vorbei an malerischen Buchten und kleinen Dörfern geht es Richtung Tadoussac. Wir überqueren den einzigen Fjord Kanadas, das Tal des Saguenay, mit der Fähre.
Tadoussac ist bekannt für seinen Reichtum an Walen; etwas „Whale Watching“ wollen wir uns nicht entgehen lassen. Entsprechend hoch ist unsere Erwartungshaltung. Wir entscheiden uns für ein größeres Boot, vor allem auch deswegen, da das Wetter eine raue See verspricht. Wir beobachten Kodiacs, wie diese von Welle zu Welle springen. Auch Finnwale sind zu sehen und, typisch für diese Gegend, ein paar kleine weiße Beluga-Wale, die nur hier anzutreffen sind Allerdings sind sie weit weg von uns. So wenden wir uns wieder der Landschaft zu um zu filmen.
Weiter Richtung Westen, nach St-Félicien am Lac St-Jean.
Dieser Binnensee mit über 1350 km2, hat die Ausmaße eines kleinen Meeres, ist aber nur um die 20 Meter tief. Am westlichen Ende liegt der zoologische Garten von St-Félicien, über 400 ha groß, zum Teil ein klassischer Zoo mit Gehegen, aber auch mit einem großen Freigelände.
Die Eisbären haben es uns besonders angetan. Sie scheinen sich in ihrem Pool mit seinem kristallklaren Wasser sichtlich wohl zu fühlen und schwimmen und tauchen unermüdlich. Die großen Panoramafenster lassen sie unter Wasser hervorragend beobachten.
Nicht weniger beeindruckend sind die Grizzlybären. Allerdings scheinen sie sich zu langweilen und achteten nur wenig auf ihre Umgebung.
Leise schleichen die Pumas durch das Gelände.
Ein Kojote beobachtet von der Spitze eines Hügels das Umland.
Ein Geier trocknet seine Flügel im Wind.
Besonders nett erscheint uns der Vielfraß. Ausgeprägt sind seine großen Pfoten. Nur wenn er gähnt, sieht man, was für ein kräftiges Gebiss er hat.
Waschbären, Otter und Stinktier gehören ebenfalls zur heimischen Population und können hier in Ruhe beobachtet werden.
Die Ziege macht Morgengymnastik.
Das Freigehege durchfährt man mit einer kleinen Bahn mit Stahlgittern an den Seitenwänden. Hier sind unterschiedliche Landschaften, wie Wald, Prärie und Steppe, nachgestaltet worden. Mittendrin, in friedlicher Eintracht mit ein paar Pionier- und Indianersiedlungen, nach dem Vorbild der alten Zeiten gebaut, leben hier Tiergattungen, die diese Gegend einst bewohnten. Das Rotwild hat wenig Anlass den Schwarzbären zu fürchten; dieser hat weinig Chancen, jenes zu erwischen – beiden Parteien scheint klar, wer von beiden schneller läuft.
Mächtige Bisons lagern auf den Wiesen.
Die Wölfe haben ein abgetrenntes Areal, da sie vermutlich die frische Nahrung bevorzugen würden.
Auch die Elche leben in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Bären.
Eine Karibuherde äst friedlich und lässt sich von dem lärmenden Zug nicht stören. Sie sind die einzige Hirschart, bei der beide Geschlechter ein Geweih tragen.
Die Moschusochsen attackieren schon mal, sehr zur Belustigung der jugendlichen Besucher, den letzten Wagen des Zuges, wenn dieser mitten durch die Herde fährt.
Das Gelände ist sehr schön angelegt, es gibt sogar hohe Brücken und Täler. Man sieht die Tiere aus nächster Nähe, und doch leben sie relativ frei.
Auf dem Rückweg nach Québec durchqueren wir die Laurentides, einen teilweise staatlichen Nationalpark. Die Laurentides zählen zu den ältesten Bergformationen der Erdgeschichte. Sie erreichen zwar nur eine Höhe von etwas über 1.000 m, dafür liegt hier im Winter der Schnee bis zu 6 Meter hoch. Glaubt man den Schildern an der Strasse, dann soll es hier auch viele Elche geben.
Aber wir wollen wild lebende Tiere sehen. Eine junge Frau in Le Relais, die sich wissenschaftlich mit den Bären beschäftigt, wird uns zu einem Bärentreffpunkt führen. Sie verteilt hier regelmäßig Futter, zu welchem Zweck sie eine Art Gemüsekuchen vorbereitet.
Wir werden bereits erwartet. Vier Schwarzbären sind da. Unsere Begleiterin verteilt den Kuchen. Es geschieht dasselbe wie bei Ihren Haustieren zuhause: man muss unbedingt die Schüssel des Nachbarn inspizieren, um sicher zu sein, dass es dort nichts Besseres gibt. Unter den Bären ist ein Weibchen mit nur drei intakten Beinen, das Vierte hat sie sich vermutlich selbst amputiert, als sie in eine Falle tappte. Seit zwei Jahren kommt sie hierher. Sie hat auch schon wieder Junge geworfen, scheint also soweit ganz gesund zu sein. Ihre Stellung in der Hierarchie hingegen ist niedrig. Man sieht, wie sie ihren Platz immer dann räumt, wenn ein Tier höheren Ranges sich nähert.
In den Laurentides leben um die 1.500 Schwarzbären. Dennoch laufen Jogger und Wanderer durch die Natur, als gebe es Bären nur im Zoo. Von Juni bis September 2005 gab es in Kanada drei tödlich verlaufene Angriffe durch Bären. Im Straßenverkehr kommen vermutlich mehr Menschen um, aber das Risiko ist realistisch. Bei Schwarzbären soll man Krach machen, damit die Bären erschrecken und fortlaufen. Bei Grizzlys soll man leise sprechen und sich möglichst rückwärtsgehend langsam entfernen, damit der Bär merkt, dass man ihn nicht bedroht. Weglaufen hat keinen Sinn; der Schwarzbär kann bis zu 55 km/h schnell laufen. Es hilft auch nicht auf einen Baum zu klettern; der Grizzly ist ganz sicher der bessere Kletterer.
Das Futter geht zu Ende. Ein ältere Bär, offensichtlich das Alphatier, geht auf das Weibchen und das männliche Tier neben ihr zu: die Bärin ergreift die Flucht und zwischen den beiden Männchen kommt es zu Kampf; es geht um die Rangordnung.
Der Kampf dauert nicht lange, alles geht blitzschnell vor sich, unter Einsatz aller Kräfte wird gekämpft. Deutlich ist zu sehen, welche Gewalten da aufeinander prallen. Der Jüngere unterliegt und verlässt den Schauplatz des Kampfes, nicht ohne das Revier zu markieren und so seinen Anspruch geltend zu machen.
Morgen komme ich wieder! Der Alte blickt in die Runde nach dem Motto: wer ist der Nächste?
Rückkehr nach Québec; Von dort geht’s mit dem Flugzeug über Montréal Richtung St. John’s in Neufundland. Der Anflug auf Montreal beschert uns noch einen prächtigen Ausblick auf die Innenstadt.
Neufundland ist die östlichste Provinz Kanadas und seit Jahrtausenden Siedlungsgebiet verschiedenster Menschenrassen. Die ältesten bekannten Siedler waren, vor ca. 8000 Jahren, maritime archaische Indianervölker. Um das Jahr 1000
kam Leif Eriksson mit seinen Wikingern, vermutlich den ersten Europäern, die in Nordamerika siedelten. Die rekonstruierte Siedlung in L’Anse-aux-Meadows an der Nordspitze Neufundlands wurde 1978 zum Weltkulturerbe erklärt.
Wieder entdeckt wurde Neufundland durch den gebürtigen Genueser John Cabot, der 1497 im Auftrag des englischen Königs Heinrich VII. den Seeweg nach Indien suchte.
Bis in die 90er Jahre des 20. Jh. war der Fischfang eine der Haupterwerbsquellen. Nach starken Regulierungen in der Fischerei ist der Tourismus neben dem Erdöl zum wichtigsten Wirtschaftszweig geworden. Wie wichtig Erdöl heutzutage für Neufundland ist, illustriert die Bemerkung eines Taxifahrers. Nach dem Wirbelsturm Katrina explodierten die Benzinpreise –„Halb so schlimm“, meinte er „Das Geld geht zur einen Tür hinaus und kommt zur anderen wieder herein. Am Freitag, zwei Wochen nach der Katastrophe von New Orleans, erzielte Neufundland auf dem Ölmarkt zusätzliche Einnahmen in Höhe von 400 Millionen Dollar.
St. John’s, Hauptstadt Neufundlands und älteste Stadt Nordamerikas, besitzt einen durch hohe Hügelketten besonders geschützten Naturhochseehafen, der auch gerne von Kreuzfahrtschiffen angelaufen wird. Am 14 Juni 1919 starteten John Alcock und Arthur Whitten Brown hier zum ersten erfolgreichen Nonstop-Flug über den Atlantik nach Europa. St. John’s bezeichnet sich selbst als Stadt der Legenden. Das Einzugsgebiet der Stadt zählt 160.000 Einwohner. Landssprache ist englisch.
Über der Hafeneinfahrt thront auf dem Signalhill der Cabot Tower. Das Signal, dessen hier gedacht wird, ist der erste transatlantische Funkspruch aus Europa, den Guglielmo Marconi 1901 hier empfing.
Schwere Geschützbatterien erinnern daran, dass in kriegerischen Zeiten auch diesem Ort eine hohe Bedeutung zukam.
Die bunten Fassaden der Häuser sind ein Markenzeichen von St. John’s. Malerisch schmiegen sie sich an die Hänge und prägen das Bild der Stadt. Männer laufen mit nacktem Oberkörper durch die Gegend. Die Temperatur ist bei 20ºC. Für die kälteresistenten Neufundländer ist Hochsommer. Im Hafen Hafens fallen die schweren Eisbrecher des Küstenschutzes auf. Im Frühjahr verirrt sich manchmal ein Eisberg aus Grönland hierher. In den letzten Jahren sind es aber weniger geworden. Außerdem ist St. John’s Anlaufhafen für die Versorgungsschiffe für die Ölförderplattformen vor den Küsten Neufundlands. Neben Fischerbooten liegen auch ältere Schiffe vor Anker, so zum Beispiel ein Schaufelraddampfer, heute im Dienst des Tourismus’.
Die Basilika St. John the Baptist ist in Form eines lateinischen Kreuzes gebaut und zeichnet sich im Inneren durch eine mit Ornamenten geschmückte Kassettendecke aus.
Wenige Kilometer entfernt, südlich von St. John’s, liegt Cape Spear, östlichster Punkt Nordamerikas. Von hier aus ergibt sich der beste Ausblick auf die Hafeneinfahrt von St. Johns. Das Cape wird markiert durch den ältesten Leuchtturm Neufundlands, der heute ein Museum beherbergt. Gelegentlich lassen sich hier auch Wale beobachten, aber jetzt, im September, sind sie weiter südwärts gewandert.
Die Bunker und Geschütze sind ein Relikt aus dem 2. Weltkrieg. Hier wurde aber kein einziger Schuss abgegeben. Der Dienst in der Batterie, in dieser kalten und oft nebligen Landschaft, dürfte recht eintönig gewesen sein.
Der Kilometer Null des Trans Canada Highway ist in St. John’s. Von hier aus läuft er an die 8000 km quer durchs ganze Land. Auf ihm fahren wir bis zur Trinity Bay und biegen dann nach Norden Richtung Heart’s Content ab. Hier gab es, nachdem 1866 die Verlegung des ersten Kabels für den transatlantischen Nachrichtenverkehr geglückt war, eine Relaisstation zwischen Europa und New York. Die alten Geräte sind noch gut erhalten. Aus einem Schaltschrank hängt noch das Ende des Kabels, das hier einst im Wasser verschwand und in Irland wieder an die Oberfläche kam.
Ein paar Kilometer weiter sind wir an einem kleinen Hafen. Ein Fischerboot läuft ein. Wir sind neugierig den Fang zu sehen, aber die Enttäuschung steht den Fischern schon im Gesicht geschrieben. Sie haben rein gar nichts gefangen. Die Krise des Fischfangs in Kanada ist noch nicht vollständig überwunden.
Malerische Fischerdörfer, an die schroffe Felsküste geschmiegt. Die Sicht ist glasklar, die Luft so rein, wie nirgends auf der Welt. In diese Gegend verirren sich nur wenige Touristen. Die Felsformationen der Grates Cove Rock-Walls erinnern an die ehemaligen Befestigungsmauern einer Burgruine.
Auf den zweiten Blick entdeckt man in der Tundra eine Vielfalt blühender Pflanzen.
Am Abend erreichen wir Harbour Grace. Von hier aus startete Amelia Earhart als erste Frau ihren erfolgreichen Alleinflug über den Atlantik, 5 Jahre nach Charles Lindbergh. Im letzen Licht der untergehenden Sonne erhaschen wir noch einen Blick auf die St. Paul’s Anglican Church, die älteste Steinkirche Neufundlands. Sie wurde 1835 erbaut. Der Ort lebt auch heute noch im wesentlichen vom Schiffsbau hauptsächlich kleinerer Tonnagen.
Im Süden von St. John’s liegt die Halbinsel Avalon. Nahe Witless Bay sind die weltbekannten Vogelschutzgebiete auf Gull Island, Green Island und Great Island ein attraktives Ziel für Ornithologen und Vögelliebhaber.
In Renews ging 1620, nach einer Reise von 66 Tagen, die Mayflower vor Anker.
Im Süden der Halbinsel um Portugal Cove South erstrecken sich die endlosen Weiten der Tundra. Die Karibuherden bekommen wir nicht zusehen. Es sei zu früh, sagen die einen, sie kämen im Oktober. Die sich stark vermehrenden Kojoten würden die Herden stark dezimiert, meinen die anderen.
Eine reizvolle Landschaft entschädigt uns für die nicht vorhandenen Karibus. Die Bäche sind so blau, dass es beinahe kitschig wirkt. Wie wir im Cataracts Provincial Park sehen können, liegt es daran, dass es sich um Schwarzwasserflüsse handelt, in denen sich der Himmel besonders spiegelt,. Das liegt an bestimmten Mineralien, die sie mit sich führen. Dennoch ist das Wasser ganz sauber.
Vom Castle Hill hat man einen weiten Ausblick auf Placentia, gegründet im 16. Jh. von baskischen Fischern.
Ursprünglich waren in Castle Hill 350 Franzosen stationiert, um die Bucht und das Hinterland gegen die Engländer zu verteidigen. Später ging die Befestigungsanlage an die Engländer über.
Im Salmonier Nature Provincial Park lassen sich heimische Tierarten, welche meist nicht in den großen Zoos zu finden sind, gut beobachten.
Die Schneeeulen sind bis heute nicht restlos erforscht. Sie leben normalerweise am Polarkreis. Im Gegensatz zu anderen Eulen sind Schneeeulen tagaktive Tiere. Bartkauz, Luchs und Weißkopfadler scheinen sich hier wohl zu fühlen.
Der Falke erreicht im Sturzflug Geschwindigkeiten von bis zu 500 km/h.
Auch ein paar Elche und Karibus sind hier angesiedelt.
Die kanadischen Gänse scheinen die Marschordnung besonders exakt einzuhalten.
Speziell angetan haben es uns die Polarfüchse. Ihr Winter- und Sommerfell wechselt zwischen schwarz und weiß. Diese scheuen Tiere haben das dichteste Fell aller Säugetiere.
Über den Trans Canada Highway führt die Route, vorbei an zahlreichen Seen, nach St.John’s zurück.
In der noch verbleibenden Zeit auf Neufundland erkunden wir den Teil nördlich von St.John’s. An der rauen Küste der Conception Bay sind eine Reihe alter Fischerdörfer wie Paradise, Portugal Cove, Flat Rock oder Pouch Cove zu finden.
Die Boote werden wie eh und je über steile hölzerne Rampen mit Hilfe von Seilwinden an Land gezogen. Ein lokaler Künstler hat auf einer Wand die traditionellen Fischerhütten sehr anschaulich dargestellt.
In Quidi Vidi gibt es noch einige Exemplare der Fischerhütten, die typisch für diese Gegend, auf Stelzen gebaut waren.
Dass auch dieser Ort umkämpft war, dokumentieren die obligatorischen Kanonen. Immer wieder erfreuen wir uns an der sauberen Luft. Neufundland wirbt damit, die sauberste Luft der Welt zu haben, was in Ansätzen nicht ganz verkehrt ist.
Mit dem Flugzeug geht es weiter in die Provinz Nova Scotia. Südlich von Halifax besuchen wir Peggys Cove.
Peggys Cove ist vielleicht der meistfotografierte Ort in Kanada. Neben dem gleichnamigen Fischerdorf mit ca. 100 Einwohnern steht auf riesigen, vom Wasser rund geschliffenen Granitfelsen ein Leuchtturm, der ein kleines Postamt beherbergt, dessen Sonderstempel eine begehrte Trophäe der Briefmarkensammler darstellt. Die Umgebung zieht Touristen scharenweise an. Und mit den Touristen kommen die Dudelsackpfeifer. Der häufige Nebel verleiht dem Ort etwas Unwirkliches, fast Unheimliches.
In Sichtweite des Leuchtturms stehen die Gedenksteine für den Swissair-Fluges 111 im Jahre 1998, der knapp vor der Küste mit 229 Todesopfern tragisch endete.
Zwischen Peggys Cove und Lunenburg liegt die Mahone Bay. In der Bucht stehen nicht weniger als drei Kirchen nebeneinander, ein berühmtes Postkartenmotiv, und wer sich genauer umsieht, entdeckt in nächster Umgebung noch drei weitere Kirchen.
Lunenburg ist, wie der Name verrät, eine Gründung deutscher Einwanderer. Sie kamen auf Geheiß des englischen Königs George II., aus dem Hause Hannover. Wie der Name schon nahe legt, stammten sie aus Lüneburg. Der Ortskern wurde 1996 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Am Hafen gibt es ein maritimes Museum, das Fisheries Museum of the Atlantic. Der Ort liegt malerisch in einer Bucht und hat sich ganz auf den Tourismus eingestellt, aber seinen Ruf verdankt er seiner Schiffsbaukunst. Hier wurde die Bluenose II gebaut, der wir später in Halifax noch begegnen werden.
Auf dem Weg von Liverpool nach Annapolis Royal bekommt man einen kurzen Eindruck von Kanadas Holzindustrie. Auf gewaltige Lastkähne werden ganze Wälder verladen.
Bei Annapolis Royal liegt Kanadas einziges Gezeitenkraftwerk, eine Versuchsanlage mit einer Leistung von 20.000 KW. Einen wirklichen Durchbruch hat diese Form der Energiegewinnung in Kanada bisher nicht geschafft, obwohl hier Gezeitenkräfte zur Verfügung stehen, die jedes gewohnte Maß übersteigen. Ökologisch sind Gezeitenkraftwerke nicht unproblematisch. Das Stauen der Bay of Fundy könnte zu Überschwemmungen in Boston führen.
Annapolis Royal ist die erste Siedlung der Franzosen in Nordamerika und liegt in einer Seitenbucht der Bay of Fundy. In dem kleinen malerischen Stadtchen wurden die meisten der 120 denkmalgeschützten Häuser in kleine Hotels oder „Bed and Breakfast“-Pensionen umgebaut. Die B&B-Pensionen sind nicht viel billiger als Hotels, bieten aber dafür manche Gelegenheit, in viktorianischer oder familiärer Atmosphäre zu wohnen und zu speisen. Annapolis Royal war bis Mitte des 18. Jh. Nova Scotias erste Hauptstadt und wurde zu Kanadas Kulturhauptstadt für das Jahr 2005 gewählt. Die Lower St. George Street gilt als Kanadas älteste Dorfstrasse.
Am Eingang der Bucht liegt Digby, ein Fischerort mit malerischem Hafen. Der Ort ist berühmt für seine Fischereiflotte, die in der Regel aber nur von Freitag bis Montagmorgen zu sehen ist. Für den Rest der Woche ist sie in der Bay of Fundy an der Arbeit. Sie ist spezialisiert auf das Sammeln von Scallops, die bei uns als Jakobsmuscheln bekannt sind.
Tiverton sei zur Beobachtung von Walen besonders geeignet, haben wir gehört. Es liegt am Ende der 70km langen, Nova Scotia im Westen vor gelagerten Halbinsel namens Digby Neck. Die Fahrt dorthin verschafft uns einen ersten Eindruck von dem gewaltigen Tidenhub in der Bay of Fundy. Erst bei Flut können die Boote wieder auslaufen. Um Tiverton zu erreichen, muss man noch einmal mit einer Fähre übersetzen. Dort angekommen, ist es fraglich, ob ein Auslaufen zur Beobachtung der Wale möglich sein würde, da Wind und Wellengang in der Bay of Fundy sehr stürmisch sind. Um 12 Uhr Mittag wird man mehr wissen.
Wir nutzen die Zeit, um die Felsküste im Osten von Digby Neck zu erkunden. Die bizarren Basaltfelsen sind eine beeindruckende Naturerscheinung. Der Balanced Rock imponiert durch Größe und gleichzeitig filigrane Form.
Wir haben doch noch Glück und Laufen aus. Die See ist rau, das Boot reitet wie wild über die Wellen. Unsere Führerin übernahm den schwersten Teil. Trotz Echolot und Radar, musste sie im Bug mit dem Fernglas bewaffnet, nach Walen Ausschau halten.
Und plötzlich sind sie da. Träge schieben sie ihre gewaltigen Körper durch die Wogen. Das Wetter an der Oberfläche scheint sie wenig zu kümmern.
Gewöhnlich gibt es hier Herden von Buckel und Finnwalen zu sehen, außerdem zeigen sich der Nothern Right Whale, sowie Blau- und Minkwale.
Schnell hatten wir unsere Augen daran gewöhnt das Meer nach den verräterischen Wasserfontänen abzusuchen.
Als die Ersten ihre gewaltige Schwanzflosse zeigen, waren unsere Vorstellungen von Kanada, nach unserer Enttäuschung in Tadoussac, wieder mit der Realität vereint.
Zurück in Digby, erleben wir die dramatisch schnellen Wechsel in der Stimmung der Landschaft unter dem vielfältigen Farbenspiel, das die untergehende Sonne veranstaltet. Wir kommen mit zwei netten Scallop Fischern ins Gespräch. Der Mann links im Bild ist seit 40 Jahren dabei. Zum ersten Mal in seiner Berufslaufbahn, fährt er nicht mit, weil er sich einen Finger verletzt hat. Der Fischfang in Kanda, so die einhellige Meinung der beiden Herren, sei gerade dabei, sich von einer schweren Krise zu erholen, dank neuer staatlicher Regulierungen.
In der Abenddämmerung erreichen wir die Fähre nach St. John in der Provinz New Brunswick. Die Bay of Fundy durchfahren wir in der Nacht.
New Brunswick ist bekannt für seine überdachten Holzbrücken.
Die Brücken wurden überdacht, damit beim Passieren die Pferde nicht scheuten. Hier scheuen sie dafür vor dem Auge der Kamera.
Bei den Hopewell Rocks ist das Ausmaß des Tidenhubs besonders gut erkennbar. Die Hopewell Rocks liegen im nördlichen Ausläufer der Bay of Fundy, die sich hier Chignecto Bay nennt. Sie ist an die 15 km breit und das Wasser zieht sich bei Ebbe zu einem Grossteil aus der Bucht zurück. Dann kann man zwischen den Erhebungen, die Pilzen gleichen, über den Meeresgrund spazieren; bei Flut werden sie zu Inseln.
Über Moncton führt uns die Reise Richtung Prince Edward Island.
Man stößt übrigens in Kanada überall auf Eisenbahnmuseen, entsprechend der wichtigen Rolle, die die Eisenbahn bei der Erschließung des Landes hatte.
Prince Edward Island ist Kanadas kleinste Provinz. Sie ist mit dem Festland durch Kanadas längster Brücke, verbunden. Man braucht fast eine Viertelstunde für die Überfahrt.
Prinz Edward Island ist auch bei US-Amerikanern ein beliebtes Reiseziel. Neben langen Sandstränden im Norden lockt auch das europäische Erscheinungsbild der Landschaft. Das Innere der Insel ist von Landwirtschaft und Viehzucht geprägt. Neben Getreide werden hier viele Kartoffeln, aber auch Gemüse, angebaut.
In allen urbanen Regionen Kanadas begegnet man Golfplätzen. Golf ist hier ungleich populärer als bei uns. Der Familienausflug am Sonntag führt nicht selten auf den Golfplatz, wo bereits die Kleinsten animiert und unterrichtet werden.
Unser eigentliches Ziel auf P.E.I. ist Charlottetown, die Wiege Kanadas.
Im Province House, offizieller Name heute Confederation Centre Art Gallery and Museum, fand die historische Konferenz von 1847 statt, die zwanzig Jahre danach zur Gründung der Föderation der britischen Kolonien führte, deren wesentliches Element eine eigene Verfassung war.
Das Confederation Centre of the Arts ist seit den 60er Jahren ein Kulturzentrum, mit Museum zur Geschichte der Kolonien, mit Kunstgalerien und einer Bibliothek.
Fanningbank ist der Sitz des Gouverneurs. Dieser hat, als Vertreter der Queen im Wesentlichen repräsentative Aufgaben. Die eigentlichen Regierungsaufgaben werden vom Premier wahrgenommen.
Neben Fanningbank befindet sich, oft als schönstes Haus der Stadt bezeichnet, ein Gebäude namens Beaconsfield. 1877 wurde es vom einem Reeder gebaut, nach dessen Konkurs von einem Fotograf erworben. Heute ist es öffentlich zugänglich.
In den Abendstunden nehmen wir die Fähre bei Wood Islands zurück auf das Festland.
In Nova Scotia hat das Wetter umgeschlagen. Statt warmer Sonne kalter stürmischer Regen. An den Sandstränden im Long Point Provincial Park fegt uns der Wind den Sand über die Haut. Dennoch passte das Wetter zu unseren Vorstellungen von Cape Breton.
In Chéticamp, in den Cape Breton Highlands, hatten die Bewohnerinnen die skandinavische Technik der Teppichstickerei, hier Rug Hookings genannt, zur Perfektion weiterentwickelt. Eingespannt in einen festen Rahmen wird ein Leinenstoff gedehnt. Danach werden farbige Fäden mit langen Nadeln durch die großen Poren des Gewebes gezogen, bis sie ein gewünschtes Muster ergeben. Nach Entfernung des Rahmens zieht sich das Leinen wieder zusammen und gibt den Fäden einen festen Halt.
Frau Dr. Elizabeth LeFort beherrscht diese Technik besonders meisterhaft und wurde selbst berühmt, als sie begann Portraits von Prominenten auf Teppichen dieser Art abzubilden. Heute sind ihre Werke im Weißen Haus, im Vatikan oder im Buckingham Palast zu sehen. Eine Reihe ihrer Teppiche sind hier in dem, ihr gewidmetem Museum, ausgestellt.
Der Norden der Insel Cape Breton wird von einer sehr gut ausgebauten Panoramastrasse umrundet, benannt nach dem Entdecker Giovanni Caboto. Von markanten Aussichtspunkten hat man einen hervorragenden Blick auf die weitläufigen Buchten und schroffen Küstenabschnitte. Inspiriert von der weiten Fläche des Landes, legt Kanada seine Straßen selten in Serpentinen an, sodass sie breit ausgebaut und sachte geschwungen sind. Dafür überwinden sie oft erhebliche Steigungen und Gefälle. Der Cabot Trail ist bei Schneefall wohl nicht ganz harmlos.
Wer Zeit zur Verfügung hat, sollte den tierreichen und landschaftlich sehr schönen Cape Breton Highlands Nationalpark durchwandern.
Im Hafen von Sydney legt gerade ein großes Kreuzfahrtschiff an.
Louisbourg wurde von den Franzosen gegründet und zu einer bedeutenden Hafenstadt ausgebaut. Zu deren Schutz wurde ein Fort gebaut, das mehrere Male von den Briten erobert wurde. Mit der Geschichte Louisbourgs ist die der Akadier verbunden: wer nicht auf die Krone schwören wollte, wurde nach Frankreich deportiert oder musste sich in Neuengland, Québec oder New Brunswick eine neue Heimat suchen. Nach der Rückeroberung durch die Franzosen durften die Akadier wiederkehren. Heute leben ihre Nachkommen in New Brunswick, aber auch in Nova Scotia und P.E.I. stellen sie einen bedeutenden Anteil an der Bevölkerung.
Die heutige Stadt liegt in einiger Entfernung vom Fort, das zur Zeit der Kriege gegen die britischen Eroberer die damalige bürgerliche Stadt umgab, schützte und militärisch verteidigte. Ein Schutz, den das gewöhnliche Volk, die Bauern und die Armen nicht genossen. Sie hatten das Leben außerhalb der Mauern zu fristen.
Als Beispiel für ein damaliges Wohnhaus der einfachen Menschen wurde eine Gastwirtschaft rekonstruiert, umgeben von einem Holzgerüst zum Trocknen der Fische.
Zweimal eroberten die Briten die Stadt. Nach der ersten Eroberung wurde sie im zweiten Aachener Frieden von 1748 den Franzosen zugesprochen.
Was die Briten nicht von einem zweiten Eroberungsversuch abhielt. Diesmal standen sich 15000 Briten mit 39 Kriegschiffen und 7000 Franzosen mit 11 Schiffen gegenüber. Die Briten nahmen die Stadt ein und zerstörten sie völlig.
Die Befestigungsmauern und Gräben vermitteln den Eindruck einer uneinnehmbaren Stadt, aber gegenüber dem Hinterland war der Schutz illusorisch. Von den Hügeln aus spähten die Briten alles aus, was in der Festung geschah, und ihre Artillerie erreichte fast jeden Punkt. Nachdem es den Briten gelungen war, einen Brückenkopf an Land zu errichten, fiel die Stadt nach siebenwöchiger Belagerung.
Ein Jahr später konnte dann Québec von den Briten erobert werden.
1961 begann die Rekonstruktion der Festungsstadt und seither wurden 25% der Stadt wieder in den Zustand von 1740 versetzt. Geschulte „Bewohner“ versuchen in historischen Kleidern den Alltag jener Zeit zu vermitteln.
Wohlhabende Kaufleute, Händler und Handwerker teilten sich die Stadt mit Soldaten.
Im Haus des Ingenieurs besticht eine von ihm selbst konstruierte Vorrichtung in der Küche, die es erlaubt, gleichzeitig zu braten, zu kochen und zu garen.
Wieder geht es weiter; zurück in Richtung Halifax. Der Canso Causeway ist die einzige Autoverbindung zwischen Cape Breton und dem Festland. Mit 1,4km Dammlände und 66m Tiefe gilt er als tiefste Dammbrücke der Welt.
Bei Maitland in der Nähe von Truro lassen sich Ebbe und Flut der Bay of Fundy besonders gut beobachten. Hier soll der höchste Tidenhub aller Zeiten mit 21 m gemessen worden sein. Abhängig von Mondphasen und der Jahreszeit, liegt der Tidenhub aktuell bei etwa 14m. Bei Niedrigwasser wirkt die Landschaft weit und offen, bei Flut drängt das Meer immer weiter in die Buchten. Es ist erstaunlich, welchen Veränderungen die Landschaft in kürzester Zeit unterworfen ist und dies zweimal täglich.
Bei Flut ist es beliebt in der hereinbrechenden Welle Rafting zu betreiben. Gleichzeitig lässt sich vom Wasser aus am Besten das Farbenspiel der untergehenden Sonne beobachten.
Ausgerechnet hier, in unserer gemütlichen Unterkunft, dem Captain Douglas House, einer freundlichen Familienpension, machen wir die Bekanntschaft der kanadischen Stechmücke, die uns bisher überall verschont hatte.
Halifax, die Hauptstadt der Provinz Nova Scotia, bildet mit Dartmouth und Bedford ein zusammenhängendes Siedlungsgebiet für weit über eine Viertelmillion Menschen. Dartmouth und Halifax trennt der Hafen und verbindet seit Mitte des 18. Jh. eine Fähre.
Außerdem überspannen zwei große Mautbrücken die Bucht.
Seit jeher ist Halifax ein bedeutender Hafen, und somit verwundert es nicht, dass hier die größte militärische Einrichtung Kanadas angesiedelt ist, die Basis der Atlantikflotte. Auch die Küstenwache hat hier ihren Hauptsitz.
Wirtschaftlich hat Halifax immer am meisten von Kriegszeiten profitiert. Der ständig eisfreie Hafen gewährleistete die Aufrechterhaltung der Kriegslogistik. Im ersten und zweiten Weltkrieg wurden hier Konvois zur Unterstützung der Alliierten in Europa zusammengestellt.
Diese Zusammenballung von militärischer Macht bescherte der Stadt am 6. Dezember 1917 eine Katastrophe. An diesem Tag stieß ein Munitionsschiff mit einem Frachter zusammen und explodierte. Es gab über 1400 Tote und 9000 Verletzte, die Stadt wurde teilweise zerstört.
Oberhalb des Geschäftsviertels liegt die Zitadelle, die erstaunlicherweise nie angegriffen wurde. Das Munitionsdepot ist noch im ursprünglichen Zustand erhalten. Auch eine Flaggenschule gehört dazu, die täglich ihre Übungen vorführt.
An der Hafenfront fallen zuallererst die ungewohnt großen Möwen auf. Es ist nicht jedermanns Sache, inmitten dieser gefräßigen Tiere seine Mahlzeit einzunehmen.
Im Zentrum der Hafenfront liegen die restaurierten Backsteinhäuser und Lagerhallen, die so genannten Historic Properties, die heute wie die ausgedienten Hafengebäude mit Kneipen, Einkaufspassagen, Museen und Galerien für ein zahlungskräftiges Publikum gestaltet wurden. Die ganze äußerlich originalgetreue Anlage bietet einen viel besuchten Anziehungspunkt für Touristen, die dabei auch Schiffe beobachten, oder Glasbläsern bei der Arbeit zuschauen können.
In den Einkaufspassagen befinden sich die üblichen Souvenirs für Touristen, aber wer geduldig sucht, findet auch Raritäten.
Bei alledem hat man stets das Wahrzeichen der Stadt vor Augen, den im Auftrag von Prinz Edward, Herzog von Kent, Anfang des 19.Jh. vor der Zitadelle errichteten Glockenturm, der die Bürger zu mehr Pünktlichkeit erziehen sollte.
Das neben den Historic Properties liegende Kasino mit angeschlossenem Hotel beherrscht den Nordteil der Hafenfront.
Manchmal sieht man im Hafen den Segler Bluenose II. Das Original hielt Anfang des 20. Jh. achtzehn Jahre lang die internationale Fischerei Trophäe als schnellster nordamerikanischer Segler seiner Klasse. Im zweiten Weltkrieg verloren Segelschiffe ihre Bedeutung; die Bluenose diente zunächst noch als Frachtschiff und sank 1946 bei den westindischen Inseln. In den 60er Jahren wurde die Bluenose II in Lunenburg dem Original nachgebaut und ist heute auf der kanadischen 10 Cent Münze verewigt.
Viele Reisende, die hierher kommen, lassen sich einen Besuch im Maritime Museum of the Atlantic nicht entgehen, einem ganz der Seefahrt verschriebenen Museum mit mehreren Einzelausstellungen. Die Hauptsammlung gilt Schiffsausrüstungsgegenständen aus verschiedenen Epochen und bietet einen umfassenden Überblick über die Geschichte der Seefahrt und der Fischerei. Eine zweite große Kollektion zeigt Modellschiffe, deren Hauptstück der detailgetreue Nachbau der Franconia ist, des bekannten Schiffs der Cunard Line.
Eine Sonderausstellung befasst sich mit der Titanic, die 600 Seemeilen vor Halifax auf einen Eisberg auflief. Tote, Verletzte und Überlebende wurden damals nach Halifax gebracht. Neben vielen Objekten, die vom Unglücksschiff stammen, wird auch das Originalprotokoll der Funksprüche gezeigt, welches die Ereignisse jener Nacht dokumentieren.
Eine weitere Ausstellung, deren Exponate zum Teil aus Schweden stammen, ist den Wikingern und ihrer Landung in Neufundland gewidmet.
Nicht weit entfernt vom Museum liegt die historische Alexander Keith Brauerei, ein weiterer aufwendig restaurierter Teil der Freizeitmeile dieser Hafenlandschaft.
Am Pier 21 hat gerade das Viersterne-Kreuzfahrtschiff Carneval Triumph, mit über 3000 Passagieren an Board, angelegt. Pier 21 war bis Anfang der 70er Jahre des 20.Jh. das Tor für mehr als eine Million Einwanderer aus aller Welt, zu einer neuen Heimat und Zukunft. Mit der steigenden Bedeutung des Passagierfluges verlor die Einwanderung auf dem Seeweg ihre Stellung. Im Pier 21 werden die Stationen der Geschichte der Einwanderung heute in einem Museum nachgezeichnet.
Zur Besichtigung freigegeben ist auch die einzige heute noch existierende Korvette aus dem zweiten Weltkrieg, die HMCS Sackville. Zum Aufspüren und Abwehren feindlicher U-Boote eingesetzt, erhielt sie einen Torpedotreffer, diente dann als Ausbildungsschiff und wurde nach dem Krieg als Forschungsschiff verwendet. Sogar die Führungsmannschaft der Carneval Triumph nutzt den Aufenthalt, um das historische Schiff in Augenschein zu nehmen.
Wenn das Wetter es erlaubt, kann man mit einem der originellen Amphibienfahrzeuge, den Harbour Hoppers, zu einer Stadtrundfahrt aufbrechen.
Am Ende unserer Reise angekommen lassen wir die vergangen Wochen Revue passieren. Wir haben ein wohlhabendes Land kennen gelernt, welches es versteht, wie kaum ein anderes, mit kulturellen Unterschieden fertig zu werden. Gegen den Einfluss der amerikanischen Kultur, reagieren viele Bewohner mit einer emotionalen Suche nach der eigenen Vergangenheit, die sich schwerpunktmäßig an der britischen oder der französischen, orientiert. Dennoch dringt die amerikanische Kultur immer weiter vor, auch wenn sich die Kanadier gerne von den Amerikanern distanzieren. Die Landschaft dieses Staates ist einzigartig, nicht nur auf Grund ihrer Weite, sondern vor allem auch wegen der unzähligen Wassersportmöglichkeiten, die die Vielzahl der Flüsse und Seen ermöglichen. Die viel gelobte Freundlichkeit der Kanadier und die Sicherheit beim Reisen machen Kanada zu einem attraktiven Ziel für Familien, aber natürlich auch für Individualisten, die die Einsamkeit lieben. Daneben bieten speziell die Städte ein vielschichtiges Kulturprogramm, das den Aufenthalt in Kanada sehr abwechslungsreich gestalten lässt.
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