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Burgenland

Politisch wurde das Burgenland erst nach dem Ende des ersten Weltkrieges gebildet und in den Verträgen von St-Germain und Trianon Österreich zugesprochen. Nur die Gegend um Sopron (Ödenburg) kam durch eine Volksabstimmung zu Ungarn. Im nördlichen Teil ist das Burgenland vom Neusiedlersee mit seinem kontinentalen Klima geprägt. Im Süden finden wir Hügellandschaften und die Burgen, denen das Burgenland seinen Namen verdankt. Der Weinanbau wird im Burgenland großgeschrieben.

Im Jahr 2006 ist die Region Neusiedel Austragungsort für die Segelweltmeisterschaft. Wir kommen am letzten Tag an, leider sind in Neusiedel und Podersdorf nur noch die Zelte der Organisatoren und Sponsoren zu sehen. Da auch das Wetter der Jahreszeit entsprechend noch nicht besonders schön ist, konzentrieren wir uns zuerst auf den Besuch von kulturellen Sehenswürdigkeiten.

Halbturn

Das barocke Schloss Halbturn nördlich des Neusiedlersees gelegen diente den Habsburgern einst als Jagdschloss und Sommerresidenz. Der weitläufige Park, der bekannte Weinkeller und die Kunstausstellungen machen Halbturn zu einem attraktiven Ausflugsziel. Lukas von Hildebrandt erbaute es im Auftrag von Kaiser Karl VI. Später erwarb es Maria Theresia von der ungarischen Krone, womit das Schloss in den Privatbesitz der Habsburger überging.

Frauenkirchen

Einige Kilometer südlich finden wir die Basilika Frauenkirchen. Wie so vieles im Burgenland gehörte auch dieser Ort den Esterházy. Sie brachten die Gnadenstatue aus dem Jahr 1240 von Burg Forchtenstein nach Frauenkirchen.

Beim Verlassen der Kirche sehen wir die ersten Störche.

Eine Besonderheit bildet der Ölberg. In Ermangelung natürlicher Erhebungen wurde der Ölberg spiralförmig künstlich angelegt.

Frauenkirchen ist, unter Einbeziehung der Kanarischen Inseln, Madeiras, Spitzbergens, Islands, Maltas, der Insel Nowaja Semlja und des Ural der geophysische Mittelpunkt Europas.

Pamhagen

Der Steppentierpark Pamhagen im äußersten Osten des Seewinkels beherbergt seltene Tierarten der Region. Man hat nicht oft die Gelegenheit, so nahe an Störche heranzukommen.

Das Mangalica Schwein, auch Wollschwein genannt, war in der k.k. Monarchie einer der wichtigsten Fleischlieferanten. Heute wird es hauptsächlich für Vulcano- und Serrrano-Schinken sowie für Salami verwendet.

Nur noch selten ist das anspruchslose, vom Aussterben bedrohte ungarische Steppenrind zu sehen.

Seewinkel

Landschaftlich unterscheidet sich der Seewinkel von allen anderen Landschaften Österreichs. Das flache Steppenland bietet eine eigene Flora und Fauna, die ebenso wie die Kultur dieses Gebietes, bereits der pannonischen Tiefebene zugerechnet wird. Unterstrichen wird dieser Eindruck durch die noch öfters anzutreffenden Ziehbrunnen. Bis 1920 gehörte dieser Teil des Burgenlandes zu Ungarn.

Podersdorf

Weite Teile des Neusiedlersees sind mit einem dichten Schilfgürtel umgeben. Lediglich in Podersdorf gibt es einen längeren Strandabschnitt, der für Wassersportler und Sonnenanbeter zur Verfügung steht. Der Leuchtturm in Podersdorf ist vor allem für Sturmwarnungen für Wassersportler errichtet worden.

Neusiedl am See

Zentrum der Region ist Neusiedl am See. Bereits im 13. Jahrhundert wurde es von den Mongolen, später von den Türken und Kuruzzen zerstört. Ein großes Strandbad und ein Segelzentrum, sowie Schulen für Kite- und Windsurfen bilden den Mittelpunkt für den Tourismus.

Ein besonderes Erlebnis ist ein Besuch im Sandland. Jährlich werden die vergänglichen Kunstwerke in Österreichs „größter Sandkiste“ neu erstellt. 2006 stand unter dem Motto Wind. Unter Leitung des dänischen Künstlers Martin Tullinius erstellten Pavel Zadanouk und viele andere Künstler aus Dänemark, den Niederlanden, Russland, der Ukraine, Irland, Lettland, Litauen und Österreich atemberaubend schöne Werke, die trotz ihres Detailreichtums den Sommer gut überstehen.

Am Westufer des Neusiedlersees liegen eine Reihe kleiner Ortschaften, wie Winden und Purbach, die mit ihren malerischen Kellergassen das Ambiente ihres exzellenten

Weins unterstreichen.

Rust

Rust ist der malerischste Ort am Neusiedlersee. Bekannt ist er vor allem für seine Störche, die fast auf jedem Kamin nisten. Die hübschen Hinterhöfe, in der Regel geschmückt mit Pflanzen und Handwerksgerät, besitzen meist auch einen Heurigengarten. Hier nimmt man auch zur Kenntnis, dass das Burgenland ein Urlaubsland für Fahrradfahrer ist.

Ein breiter Damm führt durch den Schilfgürtel zum Sporthafen. Im Schilf liegen viele Wochenendhäuser versteckt direkt im Wasser.

Mörbisch

Mörbisch gilt als das Kulturzentrum am Neusiedlersee. Besonders berühmt sind die Operettenaufführungen auf der Seebühne. Diese ist mit einer der modernsten Tonanlagen weltweit, inklusive der Akustikmethode „Bregenzer Richtungshören“, ausgestattet, die es erlaubt von jedem Platz aus den Sänger oder die Sängerin lokal exakt zu orten.

St. Margarethen

Der Steinbruch in St. Margarethen wurde schon von den Römern genutzt, später lieferte er Steine für den Bau des Stephansdoms und vieler Ringstrassengebäude. Zeitgenössische Künstler schufen Skulpturen entlang der Wanderwege. Was gibt es Schöneres als einen „Nabucco“ inmitten einer Felslandschaft zu erleben, eine der zahlreichen Freilichtaufführungen, die hier geboten werden.

Eisenstadt

Die Geschichte Eisenstadts und des Burgenlandes ist eng mit dem Fürstengeschlecht der Esterházy verbunden. Ihre Macht erhielten sie durch ihre unerschütterliche Treue zu den Kaisern des Hauses Habsburg, was dieses ihnen durch hohe Ämtern lohnte. Im 17. Jahrhundert bekleideten zwei Generationen, Graf Nikolaus Esterházy und Paul I. Fürst Esterházy das Amt des Palatins, die Stellvertreterfunktion des ungarischen Königs. Die ehemalige Burg bauten sie zum Schloss aus. So bekannt wie ihre Verdienste im Kampf gegen Türken und Franzosen ist ihre unermüdliche Förderung von Kunst und Kultur. Fast 40 Jahre stand Joseph Haydn in ihren Diensten und schrieb in dieser Zeit seine berühmtesten Werke. Sein Wohnhaus kann heute besichtigt werden. Das Rathaus hebt sich durch seinen Frührenaissancestil unter den anderen Häusern auf dem Hauptplatz hervor. Die Domkirche hat deutliche Wehrelemente, geprägt von den Türkenkriegen.

Burg Forchtenstein

Ebenfalls im Besitz der Esterházy ist eine der mächtigsten Burgen des Bundeslandes, nämlich Forchtenstein. Ursprünglich als Festung errichtet, wandelte sie sich im Laufe der Zeit zur Schatzkammer des Hauses Esterhazy. Vor allem byzantinische und habsburgische Schätze, wie etwa das Zelt eines türkischen Sultans, Waffen und Uhren werden hier aufbewahrt. Tief im Inneren, gesichert hinter geheime Gängen und Sperrmechanismen, überdauerte die Sammlung sogar die Besatzungszeit nach dem zweiten Weltkrieg, ohne entdeckt zu werden. Mit dem Reiterstandbild Pauls I., des Fürsten Esterházy, und durch die Wandmalereien im Innenhof, welche die Habsburger Kaiser darstellen, setzte man Zeichen, die nach außen verdeutlichen, welchen Ort das Geschlecht als gesellschaftlichen und höfischen Mittelpunkt definierte.

Ruine Landsee

Eine der größten Burganlagen Mitteleuropas war die Ruine Landsee. Nachdem sie mehrmals den Besitzer gewechselt hatte, gelangte sie schließlich in den Besitz der Esterházy. Nach einer Explosion des Pulverturms und einem Brand wurde sie nach dem Tod des Fürsten Nikolaus I. auf Grund von Sparzwängen dem Verfall preisgegeben. Die Notwendigkeit, sie für Verteidigungszwecke zu erhalten, war nicht mehr gegeben. Drei voneinander unabhängige Verteidigungsgürtel umgaben die Burg, der äußere war über 3 Kilometer lang. Noch die Reste der Burg sind sehr beeindruckend.

Burg Lockenhaus

Eine sehr sehenswerte Burg ist die Burg Lockenhaus, einst ebenfalls im Besitz der Esterházy. Sie gehört heute der Familie Prof. Paul Anton Keller, die Millionen in die Instandsetzung der Burg investiert und sie zum Veranstaltungs- und Kongresszentrum ausgebaut hat. Eine Ausstellung über die Tempelritter, deren Erforschung Prof. Keller ebenfalls viel Zeit und Geld gewidmet hat, soll die Legende belegen, dass die Burg einst eine Ordensburg der Tempelritter war, wofür einige Indizien sprechen. Al erwiesen gilt, dass die Burg zeitweilig als Residenz für die ungarisch-slowakischen Gräfin Erzsébet Báthory, der schlimmsten Serienmörderin der Geschichte, diente.


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